Jazz Fest Wien Festival History

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Jazz Fest Wien 2013: Review

He’s Got The Whole World In His Voice!

Bobby McFerrin
17.6.2013 Wiener Stadthalle

Es ist vollbracht! Vokalwunder und Publikumsverzauberer Bobby McFerrin eröffnete den Jahrgang 2013 des Jazz Fest Wien mit einem Konzert, bei dem die Engel mitsingen durften!

„Spirit You All“ heißt das Programm, mit dem Bobby McFerrin, überaus beliebter Stammgast beim Jazz Fest Wien, heuer nach Wien gekommen ist. Wie jedes Jahr trägt er eine verwaschene Jeans und ein T-Shirt, das er auch beim vorigen Mal möglicherweise getragen hat. Wir, die wir jedes Jahr zu seinen Konzerten kommen, kennen das ja. Eigentlich denken wir auch zu wissen, wie der Abend ab läuft und was er so macht. Klicklaute, Brustpercussion und dazu Nonsense-Silben, die ganz nach Vocalese-Art irgendwie ein Lied ergeben. Dazu lässt er das Publikum mitsingen, meistens sogar einzelne glückliche Auserwählte aus den freudig erregten Zuschauerinnenraum. Man denkt, alles zu wissen, über den Mann, der das Publikum mit seinen Gesangskunststücken, aber wohl auch mit dem Charisma seiner Persönlichkeit verzaubert. Sprich: das Geld für die Eintrittskarten ist sicher und gut angelegt.

Letzteres stimmt unbedingt, und Leute mit unzufriedenen Mienen habe ich noch nicht aus seinen Konzerten kommen sehen. Trotzdem ist nicht jedes seiner Konzerte gleich, meistens ähneln sie doch eher gut choreografierten Überraschungen. Manchmal holt er sich Gäste mit auf die Bühne, Schauspieler oder Opernsänger. Manchmal ist der Jazz-Anteil größer, dann gibt es eine Portion Klassik mehr.

Und, Überraschung, gestern Abend hatte er sein Konzert in der Stadthalle Wien ganz unter das Motto „Spirit You All“ gestellt. Spirituelle Aufladung für alle, mit Songs aus dem reichen Erbe afroamerikanischer Spirituals und einigen ausgesuchten Rock-Perlen wie Dylans „I Shall Be Released“ oder Stevie Winwoods „Can’t Find My Way Home“. Wie immer lässt er den Songs Zeit zum Atmen, er scheint sie aus dem Vocalese-Nonsense mit einer Improvisation zu entwickeln, und, schwupp-diwupp, ist man mitten drin im Spiritual „Joshua Fit The Battle Of Jericho“. Die Engel jubilieren, und sinnigerweise dirigiert McFerrin das willige Publikum, als wäre es eben der Chor der freudigen Engel. Alle Engeln singen mit! Das ist No-Nonsense, hier nimmt McFerrin sein Publikum mit von einer Aufladestation des Heiligen Geistes zur nächsten.

Unterstützt wird er dabei von einer kompakt aufspielenden Band, von der McFerrin behauptet, sie könne jeden Song der Welt spielen, so gut sei sie. Unter der Leitung seines Freundes Gil Goldstein, agieren sie mit Pedal-Steel-Guitar, Fiddle, E-Gitarre und Rhythmusgruppe ganz im Sinne afroamerikanischer Roots-Musik, kann aber auch schon einmal einen Schwenk zum Gypsy-Jazz machen. Die Pedal-Steel-Gitarre, im Country & Western ebenso beliebt wie in der schwarzen Kirchenmusik Floridas, setzt heulende Akzente; der andere E-Gitarrist kann schon einmal den schweren Mississippi Delta-Blues anstimmen, und schon man mittendrin in „Fix Me Jesus“. Und als er beim Spiritual „He’s Got The Whole World In His Hands“ mal kurz das Geschlecht des Angebetenen wechselt, ist die Begeisterung groß. Alle singen mit „She’s Got The Whole World In Her Hands“. Ja, verdammich, das musste doch einmal gesungen werden, im Land der schönen Söhne und Töchter! Natürlich dürfen jetzt auch einige Mutige aus dem Publikum ran an Mikro, und eine besonders charmante Sängerin singt geradewegs heraus, was alle denken: „Bobby, You Got The Whole World in Your Voice“. Stimmt, kann man so gelten lassen. Den Bobby freut es jedenfalls, die Band auch. Sie ist denn auch an diesem Abend das eigentliche Überraschungselement, bringt sie doch durch ihr Spiel McFerrin dazu, weniger im Vocalese-Stil seine Stimmakrobatik zu demonstrieren, als vielmehr seine Stimme in ganz gewöhnlichen Songstrukturen songdienlich zu erheben. Und das kann er gut, gerade weil man einige dieser Spirituals schon gut genug kennt, um seine überraschend kräftige Gesangsleistung vergleichen zu können.

Er kann also auch anders, und auf dem Nachhauseweg sehe ich doch tatsächlich einige Leute, die sich auf die Brust klopfen, leise „Joshua Fit The Battle Of Jericho“ und, ehrlich, zwei Zentimenter über dem Erdboden schweben. Der Spirit ist in sie gefahren und lässt sie ein bisschen erhabener durch die Wärme der Nacht schweben, die Glühwürmchen des Heiligen Geistes. In diesem spirituellen Schwebezustand müssen sie jetzt nur noch die Kurve bekommen, um am 24. Juni wieder in der Stadthalle zu sein, um das Erleuchtungsgefühl mit Paolo Contes italienischem Lebensgefühl zu verfeiern. Vielleicht hat Conte zu seinem Konzert ja eine Botschaft aus dem Vatikan mitgebracht. Nicht, dass der bis dahin, dank Bobby McFerrins Geschlechtswandlungseingebung, dann schon Muttican heißt. (Fortsetzung folgt)
Harald Justin

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