Jazz Fest Wien Festival History

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Jazz Fest Wien 2013: Review

Es lebe das Jazz Fest Wien 2014!

Eric Burdon
Rathaus/Arkadenhof
Harri Stojka
Rathausplatz
10.7.2013

Es ist vollbracht! Mit den Auftritten vom Harri Stojka Express und Eric Burdon ging am Mittwoch der Jahrgang 2013 zu Ende. Was bleibt? Der Rückblick auf den Abschlussabend? Die Frage nach dem Sinn von allem? Die Freude auf den kommenden Jahrgang 2014? Schauen wir ’mal!

Den Anfangsakkord vom Ende des Jahrgangs 2013 vom Jazz Fest Wien setzte Lokallegende Harri Stojka auf dem Rathausvorplatz. Das war nicht schlecht gedacht, hörte der Dienstagabend doch mit einem erhebenden, grandiosen, superben, fantastischen – mehr Superlative finde ich ad hoc nicht – gemeinsamen Konzert des Jazz-Saxofonisten James Carter und des Bluesgitarristen Joe Louis Walker auf. Immerhin, Carter hatte 2001 das Album Chasin’ The Gypsy als Hommage an Django Reinhardt eingespielt, und wir alle wissen um die Bedeutung Reinhardts für die Musik Stojkas.

Für diesen Abend blieb er zwar seinem ureigenen Hochgeschwindigkeitsspiel treu, ließ sich aber von einer Band begleiten, die ihm auf Jazz-Rock-Wegen entgegen kam. Der Rathausvorplatz füllte sich schnell, der Beifall war freundlich und Stojka mehr als nur gerührt, dass sein Material aus den Achtziger Jahren, für die Zugabe gab es sogar liebgewordene Dialektlieder, noch so gut ankam. Dass nachher in Gesprächen einiger Herumstehenden immer wieder die Frage aufkam: „Hast du den Harri gesehen?“ kann man in ihrer Vertraulichkeit mit „Harri“ durchaus als Lob begreifen. Stojka ist einer der ihren!

Habe ich nun gestern die magischen Lippen von James Carter geküsst, damit Funken seines Zaubers auf mich übergehen? Tatsache ist, dass gestern Abend nur ein klägliches „B“ meine Lippen verließ. Ahnte die Lippenmuskulatur voraus, was den Ohren beim nachfolgenden Auftritt von Eric Burdon drohte? Keine Frage, dass er einer der wichtigsten Sänger des britischen Bluesbooms der sechziger Jahre war. Der Charakteristik eines Nik Cohn aus dem Jahr 1969 ist bis heute wenig hinzu zu fügen, er schrieb: „Er konnte wild und leidenschaftlich schreien. Er war immer fanatisch. (…)Und er torkelte über die Bühne wie ein explodierender Berliner Pfannkuchen, dickwanstig und ekstatisch, er heulte den Blues, und er war ein guter Junge damals, eine Saufnase mit echten Talenten.“

Sein aktuelles Album Till Your River Runs Dry wurde in der Fachpresse gelobt, und jetzt kam er, nach krankheitsbedingter Absage im vorigen Jahr, endlich zum Jazz Fest Wien. An der Kasse drängten sich erwartungsfrohe Gleichaltrige mit schütterem Haupthaar auf dem Rückzug., vor der Bühne trugen viel Besucher Ohrstöpsel. Die waren auch nötig, denn der Sound, an dem am Nachmittag stundenlang herumgebastelt wurde, verwandelte die Musik in einen Soundbrei. Burdons Musik, die er einst mit den Animals eingespielt hatte, war nie von besonderer rhythmischer Finesse, sondern eher R&B mit Dampfhammer-Effekten, mehr Rock als Roll. Als er gestern Hookers „Crawlin’ Kingssnake“ zu einen brutalen Zwölftakter macht, ist der Jubel zwar groß, aber der Sound bleibt trotzdem schlecht.

Und er wird nicht besser. „Spill The Wine“? Von der rhythmischen Vielschichtigkeit des Originals ist nicht viel geblieben. Powerakkorde bei „When I was Young“? Selbst „House Of The Rising Sun“ wird heftig angegangen, aber die Fans mögen das, und Burdon mag es, dass seine Fans ihn mögen. Eigentlich will er gar nicht von der Bühne und macht noch weiter, als die Bühnenbeleuchtung abgedreht ist. Halt immer fanatisch, dieser abgedrehte Brite, der in seiner Autobiografie von Treffen mit Louis Armstrong und Sonny Boy Williamson II schwärmt, Jimi Hendrix ein guter Freund war und die Beatles zu „I’m The Walruss“ inspiriert haben will. Dem Jubel der Fans nach ein würdiger Abschluss des Festivals.

Was bleibt nach mehr als zehn Tagen Jazz Fest Wien? Nur die Erinnerung an zumeist sehr schöne Konzerte? Das wäre zu wenig. Interessanter war da vielmehr die prophetisch vorhergesagte Erkenntnis, dass dieses Festival seine besten Momente erleben würde, wenn die Musiker oder Musikerinnen ungeniert sich auf Blues und Soul einlassen würden. Wenn Bonnie Raitt einen Blues anstimmte, dann war das Publikum wach, wenn Charles Bradley, Bobby Womack, China Moses, Martha High, Robben Ford, Shuggie Otis, Trombone Shorty und James Carter mit Joe Louis Walker , Eric Burdon oder gar Bryan Ferry mit seinem britisch steifen Salonorchester die Ahnherrn von Blues und Soul anriefen, dann sprang der Funken über. Das hörte man gern. Musik, die von Menschen geliebt wird und sie nicht enttäuscht, das muss eine gute Musik sein. Mehr davon bitte im nächsten Jahr!

Was bleib noch? Der Dank an das Publikum? Klar. Der Dank an alle, die hier eifrig mitgelesen haben? Selbstverständlich! Keinesfalls fehlen darf aber vor allem der Dank an das Team, das das Jazz Fest Wien und eben diese und andere Zeilen in nächtelanger Arbeit möglich gemacht hat. Danke! Bis zum nächsten Jahr! (Ende)
Harald Justin

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