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Lila Downs . Kari Bremnes: Mut und Musik
Haben Frauen irgendetwas zu sagen? Natürlich, und sie tun es sogar singenderweise! Auf das Vorspiel am Freitag folgen nun am Montag einmal mehr starke Frauen. Sollte Frauenpower heuer gar ein Programmschwerpunkt sein?
Wer die Hosen an hat und wer sie herunter lässt, sollte das eine Frage des Geschlechts sein? Manchmal braucht’s dazu einfach Mut und Musik, und nachdem Dhafer Youssef/ Wolfgang Muthspiel und Tini Trampler mit ihrer dreckigen Combo am Samstag das Jazz-Fähnlein hoch gehalten haben, sind am heutigen Abend einmal mehr Frauen gefragt.
Die norwegische Vokalistin Kari Bremnes trägt ein türkisfarbenes Kleid und singt zu gefälligen E-Gitarren-Pop Lieder in englischer und norwegischer Sprache, die sie netterweise vorher erklärt: „This song …“ handelt von ihrer Babysitterin, deren Make-Up beim Hören gewisser gefühlvoller Lieder immer verlief.

Ja, und danach ich verlauf mich im unterirdischen Backstage-Bereich und hätte gerne den Weg in die Garderobe erklärt, wo mir dann die total nette Frau Bremnes erzählt, dass sie schon sehr gespannt auf den Auftritt von Lila Downs sei. „So am I“, sage ich und damit haste ich zurück durch das dunkle Gängelabyrinth, mache kurz Halt beim Harfenisten des Ensembles, bewundere die aus Holz geschnitzte Frontfigur seines Instruments, die wohl auch sämtliche erotischen Träume von Seefahrern, die weibliche Bugfiguren bekanntlich recht hochschätzen, wahr werden lassen würde – und erlebe dann eines der Konzerte des Jahres: Lila Downs!
Potzblitz, die Frau schmeißt sich vom ersten bis zum letzen Ton in die Lieder, in spanischer und englischer Sprach hallt es von der Bühne, ausdrucksstark werden Leidens- und Liebeslieder vorgetragen, perfekt illuminiert durch Videos, eine superb eingespielte Band und eine Sängerin, die ihre Lieder nicht nur singt, sondern auch mit jeder Faser ihres Körpers darstellt. Das Leid mexikanischer Wanderarbeiter oder gar selbst die Verbindung von Schokoladenrezepten mit einer unerfüllten Liebe, Frau Downs singt’s – und kann ich mir da Tränen des Mitgefühls verkneifen? Ja, auch Männer können so romantisch sein.

Allein, wenn meine Spanisch-Kenntnisse ausreichen mögen, um ihre Texte zu verstehen, wie erklärt sie sich die Begeisterung des Publikums, das ihre Texte wohl eher nicht versteht, trotzdem aber um Zugaben klatscht?? „Es ist ein Wunder“, strahlt sie, „Nicht wahr?“ Mehr Fragen stellt man einer Göttin nicht.
Und dann schreibt sie mir einige total nette Zeilen in mein schwarzes Notiz-Buch und schenkt mir ihre neue DVD „Loteria Cantada“. Bin ich glücklich? Da fällt es kaum ins Gewicht, dass mein schwarzes, in der Szene gefürchtetes Notizbuch, im Laufe des Abends durch heftiges Geklatsche jegliche Form und einige Seiten verloren hat. Die Interview-Seiten mit Dr. John, Eric Clapton, Keith Richards, Archie Shepp, Robert Palmer oder Santana, - up and away!. Die Seite mit Lila Downs? Hat sich gehalten. Ist das nun Frauenpower oder nicht?
Wer mir wohl morgen, am Dienstag, den obersten Hemdknopf aufmacht, wenn zwei Sänger, in der Wiener Staatsoper aufeinander treffen?
Harald Justin
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 30.06.2008 .
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