Jazz Fest Wien Blog
 

Jazz Fest Wien 2009 Opening: Armenian Spirit | Red Sun & SamulNori

Red Sun & SamulNoriDas bisschen Regen …!
Gestern, am 29. Juni war es wieder soweit: Beim Jazz Fest Wien ist die Welt zu Gast. Also wurde am gestrigen Abend der rote Teppich ausgerollt. Sinnbildlich und praktisch.

Vor der imposanten Kulisse des Rathauses ist die Bühne aufgebaut. Der Regen hat aufgehört, das gegenüberliegende Burgtheater strahlt festliches Weiß vor blaugrauen Regenhimmel ab. Ohne das Jazz Fest ist es nicht gerade langweilig in Wien. Aber mit Jazz Fest ist es eben besser. Alte Bekannte treffen sich, ich sehe den morgige Gast John Scofield backstage schon heute mit Wolfgang Puschnig fachsimpeln, und einige Leute sehen mich. Nett.

Und Musik vor allem, die gibt es eben auch. Vor die hat Stadtrat Mailath-Pokorny allerdings die Worte gesetzt: „Der Spirit sei mit uns!“ Angesichts des Regens der letzten Tage ein frommer Wunsch. Aber arbeiten für den, Dank des Sponsors Oekostrom, nicht auch die 24 Sonnenkollektoren vor der Bühne? Sorgen sie nicht etwa für die trockene Zeitzone während des Konzertes der sinnfällig „Armenian Spirit“ genannten Band des Armeniers Karen Asatrian – oder habe ich Technik-Laie da etwas missverstanden? Das Publikum jedenfalls versteht die Musik und geizt nicht mit Beifall. Offensichtlich armenische Rucksacktouristen am Rande des Geschehens debattieren laut und vollführen seltsame rhythmische Tänze, die dem nüchternen Betrachter Erstaunen abringen. Was es nicht alles gibt!

Armenian Spirit Armenian Spirit

Offensichtlich hat der Wettergott dazu seine eigene Ansicht. Gegen Ende des Konzerts bläst ein Wind erst der Band die Notenblätter weg und dann, als sie zu Ende gespielt hat, verweht er das Publikum mit Regenunterstützung in alle vier Himmelsrichtungen. Es scheint sich einzuregnen, und die Gefahr besteht, dass das Konzert mit Wolfgang Puschnig’s Red Sun & Samul Nori ins sprichwörtliche (Regen-) Wasser fällt. Die rote Schrift der Schilder, die in der ersten Stuhlreihe die Plätz für die Mitglieder der koreanischen Botschaft reservieren, zerfließt, als wäre sie mit Tränen gemalt. Geht die Welt unter, ausgerechnet jetzt, wo die Koreaner, eindeutig mit dem wahrscheinlich farbenprächtigsten Dress dieses Festivals ausgestattet, sich bereits schick gemacht haben und Wolfgang Puschnig sich zum zweiten Mal umgezogen hat? Um einen O-Ton gebeten, sagte er tatsächlich. „Oh“. Und macht sich dann ans Werk. Was darin besteht, einen Teppich zu organisieren und ihn in den vor Regen schützenden Rathaus-Arkaden auszurollen. Wenn nicht vor dem Rathaus, dann eben unter dem Rathaus-Dach! Ja, der Mann kann improvisieren.

Red Sun & SamulNori Red Sun & SamulNori

Was er aber nicht nur beim Teppichverlegen beweist. Kräftig blasend beginnt er, und alsbald antworten ihm die Koreaner von Samul Nori mit Trommeln und asiatischem Gebläse. Und wo Red Sun drauf steht und asiatisches Gebläse und Getrommel mit drin steckt, ist sofortige Begeisterung bei den Happy Few des Publikums angesagt. Kraftvolle Musik und laute Begeisterungsrufe folgen. Mit Red Sun kehrt Sonnenschein in die Herzen ein, und Samul Nori vertreibt das Donnergrollen. Gute Musik, die so etwas schafft!

Wer nebenbei noch die Augen schweifen lässt, entdeckt am nächsten Säulengang gleich drei Gedenktafeln. Sie erinnern an drei Österreicher, die im Kampf für die Freiheit gestorben sind. Und das sollte ja, bei dem bisschen Regen, nicht vergessen werden: es ist keine Selbstverständlichkeit, in Frieden und Freiheit Musik hören zu können und Gastgeber zu sein. Wo lässt sich so etwas sinnvoller verstehen als bei Konzerten, bei denen sich Musiker verschiedener Kulturen und Nationen zu gemeinsamen Spiel begegnen? Und morgen geht es schon weiter!
Harald Justin

Posted by Jazz Fest Wien/Team am 29.06.2009 . Permalink

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