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John Scofield - 30.06.2009 Wuk
Ein bisschen Hitze musste man schon vertragen können beim gestrigen Konzert von John Scofield im Wuk.
„Es ist sehr heiß hier“, sagt ein sichtlich verschwitzter John Scofield in deutscher Sprache. Wie Recht er hat! Drohten gestern noch Regenwolken über der Stadt, sind sie heute heftiger Sonnebestrahlung gewichen. Zugegeben, im Wuk sieht man davon nicht mehr viel. Aber sie ist spürbar, die Hitze, drinnen und draußen. Drinnen vielleicht noch mehr. Nicht nur, weil eine Batterie von Scheinwerfern für zusätzliche Hitzegrade sorgt, sondern weil zudem einige hundert Menschen eng beieinander stehen, und weil auf der Bühne John Scofield mit seiner ausgesuchten Band zusätzlich am Hitzeschalter drehen. „Sco“, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, hat viele, wie er erklärt, „old songs“ von seiner neuen, aktuellen CD „Piety Street“ mitgebracht, und dieses Album besteht wesentlich aus Interpretationen von südstaatlichen Gospel-Songs. Da muss dann die Gitarre jaulen und um geistlichen Beistand flehen, da darf Jon Cleary mit Orgel, Gitarre und Gesang Gefühlsintensitäten erforschen, da muss der Herr gepriesen und „Something Got A Hold On Me“ gesungen werden. Denn ist nicht tatsächlich höchste Wachsamkeit angesagt?

Weil nämlich noch weit vor der Pause erste Hitzeopfer aus dem Saal wanken. Ein Fotograf, der in nächster Nähe zur Bühne stand, kommt zerknittert und um Jahre gealtert ins Freie. „Mir ist so heiß!“ Dabei konnte er Sco wenigstens sehen. Andere, unter 2,10 m Gardemaß, sehen nur seinen, von einem Haarkranz würdevoll umrahmten Kopf. Ganz kleine Menschen drohen, im dunklen Gedränge zwischen Sandalen und High Heels verloren zu gehen oder gar zu verdampfen. Man kann gar nicht so viel trinken, wie man schwitzen muss.

Nur Sco scheint das wenig zu stören. Natürlich läuft auch ihm der Schweiß in dicken Sturzbächen vom Kopf, weshalb denn wohl Jon Cleary als auch Drummer Ricky Fataar zeitweise Mützen und Hüten tragen, aber ansonsten bringt die Musik mit mitschunkelbaren Hank-Williams-Songs das Publikum zum Winken mit blaustrahlenden Handys. Danach heizt er mit rockigen Soli wieder zum Tanzen ein. Der den Wärmegraden entsprechende O-Ton lautet übrigens „Puh“, unterstützt von einer Luft zufächernden Bewegung.

Und irgendwie werde ich bei diesem Anblick das Gefühl nicht los, dass dieser Gitarrenpyromane genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort köchelt. Vor längerer Zeit habe ich mit ihm über lokale und regionale Musikszenen geredet. Gestern noch stand ich mit ihm auf dem Ratshausvorplatz, um Musik aus Armenien, Korea und Österreich zu hören. Und heute ist er hier, um mit heißem Gospeljazzrock die Vielvölkermusik auf dem Jazz Fest Wien um eine Facette zu bereichern. So kommt alles zusammen, Internationalität auf lokaler Basis. „Wien ist eine schöne Stadt. Ich hoffe, wiederkommen zu können. Aber jetzt gehen wir erst einmal duschen. Zwei Stunden lang. Äh, natürlich einzeln!“
Eine gute Idee. Einige munkeln, dass draußen vor dem Eingang eine Gruppe finnischer Saunameister auf das Publikum wartet. Mal schauen. Und was werden die Kubaner vom Orquesta Buena Vista Social Club, die morgen in der Wiener Staatsoper auftreten, dazu wohl sagen?
Harald Justin
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 30.06.2009 .
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