Jazz Fest Wien Blog
 

OBVSC feat. Omara Portuondo - 01.07.2009 Wiener Staatsoper

Omara PortuondoAltwerden? Nicht mit uns!
Temperament ist nicht an Ort und Alter gebunden. Und die Österreicher sind die Kubaner Europas und die Kubaner sind beim Jazz Fest Wien zu Gast.

Alle sprechen über das Wetter. Ich nicht. Denn nach Regen und Sonnenschein an den ersten beiden Eröffnungstagen, geht es diesmal in die ehrwürdigen Hallen der Wiener Staatsoper. Wettereinbrüche kommen hier seltener vor.
Kümmern wir uns statt um das Wetter doch einmal um den genius loci, die geistige Atmosphäre, die den Genius der Musik mit ganz speziellen Orten verbindet. Dachte ich. Warum auch nicht, hatte John Scofield doch gestern Abend gezeigt, was passiert, wenn Musik aus New Orleans und den religiösen Südstaaten in Wien gespielt wird. Und nun kommen die Kubaner halt mit dem Orquesta Buena Vistal Social Club und dem Ehrengast Omara Poruondo.

OBVSC Omara Portuondo

Kubaner sind gern gehörte Gäste in Österreich. Noch mit den Originalmitgliedern gastierte der BVSC bereits beim Jazz Fest, und Omara Portuondo ist sowieso ein lieber Gast. Und sie hat ihre Fans. Der Beweis: ihr Album aus dem Jahr 2000 „BVSC Presents Omara Portuondo“ hat sich mittlerweile oft genug verkauft, um hierzulande mit einer Goldenen Schallplatte prämiert zu werden. Bei der Verleihung am Dienstag im Cafè der Oper Wien war das Orquesta gleich mitanwesend und verwandelte das ruhige Etablissement in ein Studio der gehobenen Lebensfreude: jedes Mitglied der Band hatte mindestens einen Fotoapparat dabei, alle fotografierten sich gegenseitig, und mittendrin verehrte Stadtrat Mailath.Pokorny die Goldene Schallplatte an die kubanische Diva. Die trug bunt und luftig und konnte es sich demnach leisten, den Stadtrat zu einem Walzer aufzufordern und zum Schwitzen zu bringen. Schon lagen sie sich in den Armen und ein Jauchzen und Lachen in der Luft.

Omara Portuondo OBVSC

Diese Art der Verwandlungskunst beherrschen die Kubaner auch an diesem Abend. Beifall gibt es bereits, als die Truppe die Bühne betritt. Und viel leiser wird es danach auch nicht mehr. Wer eben noch still und stumm dasaß, springt auf, spätestens als die Kuba-Diva die Bühne betritt. Charisma pur, mit 79 Jahren. Beim zweiten Lied stehen restlos alle, einige Wienerinnen tanzen zwischen den bestuhlten Reihen. Alle bewegen sich mit den Rhythmen, und mir stellt sich die Frage: Ließe sich durch Herausreißen der Stuhlreihen die Wiener Staatsoper nicht auch in einen schicken Tanztempel verwandeln? Aber gelten die Wiener nicht auch jenseits dieser Handwerkerübung schon als die Kubaner Europas, weil sie soviel Lebensfreude und Tanzbegeisterung versprühen?

Allein, diese Frage kläre ich an diesem Abend nicht mehr. Wundere mich stattdessen über den Jungbrunnen, den ein Pensionisten-Orchester wohl ist. Einige Mitglieder sind ein bisschen alt, andere hingegen prächtig jung. Offensichtlich besonders schicke kubanische FrühpensionistInnen oder gar durch Lebensfreude und Musik zurückverwandelte Oldies? Vielleicht sollte ich in einem anderen Leben als Pensionist wiedergeboren werden und dann in Wien eine Rentnerband gründen und Jahr für Jahr jünger werden.

OBVSC backstage Omara Portuondo backstage

Gleich drei O-Töne bietet Omara Portuondo mir backstage an, „Ay“, „Vamos“ und „Alles gut?“ Mit einem „Ja“ nehme ich den dritten. Vor allem, da ich weiß, dass sie morgen Abend an diesem Ort Mercedes Sosa vertreten wird und nicht einen Deut schlechter sein wird.
Harald Justin

Posted by Jazz Fest Wien/Team am 01.07.2009 . Permalink

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