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Chaka Khan & George Duke Trio - 05.07.2009 Wiener Staatsoper
Mit Fusion, Funk und Fentilator.
Chaka Khan hatte den Divenfaktor und einen Handventilator im Gepäck. Und in der Wiener Staatsoper ausgepackt.
Mit wehenden Rockschößen, oder besser; flatternden Hosenbeinen spürte ich gestern der Magie des Ortes nach, auf dem Gelände der Fernwärme und in der Wiener Staatsoper. Ständiger Musikerwechsel, ständiger Ortswechsel. Und noch dazu stieg der Divenfaktor.
Genau das Richtige, um sich auf den Abend mit dem Gorge Duke Trio und Chaka Khan einzustimmen. Zwei Größen an einem Ort an einem Abend.
Die Diva an diesem Abend heißt eigentlich Yvette Marie Stevens. Und je nachdem, welcher Quelle Glauben zu schenken ist, erhielt sie ihren Bühnennamen entweder von einem afrikanischen Schamanen, nach einer kurzen Heirat oder als Spitznamen aus der Zeit, als Afrikanismen in der Black-Panther-Bewegung in den Sechziger Jahren gerade chic waren. Drei Möglichkeiten, um Chaka Khan zu begegnen.

Ein vierte ergibt sich, als im Backstage-Bereich kurzfristig Hektik einzieht. Nicht wegen George Duke, der noch vor zwei Monaten im „Porgy & Bess“ ein „umjubeltes Konzert“ gegeben haben soll, wie mir ein begeisterter Herr vom Klavierhaus „Fazioli“ mitteilt, nein, Duke ist es nicht, der für Aufregung sorgt. Es geht um den „persönlichen Handventilator von Chaka Khan“. Ein handliches kleines Ding in Blau, das nicht so will, wie es soll.
Aber wie soll es überhaupt sein, in der Welt und, speziell, in der Wiener Staatoper? Laden nicht bereits die Wahlmöglichkeit bei ihrer Namensgebung und auch mein gestriger dauernder Orts- und Perspektivenwandel dazu ein, Chaka Khans Auftritt ebenfalls aus möglichst vielen Perspektiven zu betrachten? Vor dem Auftritt ist sie, wie so viele Künstler, nicht so richtig auf freundliche Gespräche in der Garderobe aus. Konzentration für die Kommunikation auf der Bühne mit dem Publikum hat da Vorrang. Und natürlich die Reparatur ihres Handventilators, dem kleinen Ding in Blau, das zur Chefsache ihres persönlichen Helfers erklärt wird.

Auf der Bühne dann zeigt sie, was in Fachkreisen immer schon bemerkt wurde: dass sie ein Faible für Jazz-Gesang hat. Titel von Billie Holiday folgen auf Titel von Gershwins „Porgy & Bess“ Einzig die Funk-Titel, mit denen sie berühmt wurde, etwa „I’m Every Woman“ spart sie aus. Wer hätte das gedacht, wo sie doch als Ersatz für die erkrankte Randy Crawford gekommen ist, die sicherlich ohne ein „Streetlife“ nicht von der Bühne gegangen wäre. Chaka Khan macht das, sie geht von der Bühne inmitten des Auftritts, allein schon, um sich ein neues Gaze-Gewand um zu werfen. Eine Diva halt. Derweil brilliert George Duke als freundlicher Tastenbär mit Fusion-Jazz und Funk.
Bis, Achtung, neuer Personal- und Perspektivenwechsel, Chaka Khan wieder erscheint und ihr frisches Gaze-Gewand über dem schwarzen, leicht eng wirkenden Catsuit freundlich im Wind der zwei Bühnenventilatoren flattern lässt, und sie sich selbst Frischluft mit einem Fächer zuwedelt. Ich schaue derweil ins Publikum und in die anderen Logen. Die Wiener Staatsoper hat schöne Logen. Und in einigen tanzen nicht minder schönen Menschen bei Dukes Funk-Titeln und jetzt, die Zugabe von Marvin Gayes „What’s Going On“ als Ehrbezeugung an den verstorbenen Michael Jackson läuft gerade mit den ersten Takten an, zum Gesang von Chaka Khan. Unten in den Sitzreihen ist eine nahezu komplett von dunkel pigmentierten Mitbürgern besetzt, die jeden Song von Chaka Khan hingebungsvoll kommentieren. Andere sind stiller. Nicht nur Geschmäcker können verschieden sein, auch die Arten der Beifallsbekundungen. Ja, bunt, neu und immer wieder überraschend anders als erwartet kann die Welt sein. Man muss halt nur einmal die Perspektiven ändern. Dachte wohl auch Chaka Khan, die nach der Zugabe so schnell aus der Oper verschwand,, dass ihr noch nicht einmal Zeit für den Eintrag ins Ehrenbuch des Jazz Festes blieb. Wahrscheinlich war sie mit wehenden Rockschößen unterwegs. Wie vom Ventilator verweht.
Und was ihr Namen bedeutet, könnte ich das nicht morgen Abend den Afrikaner Seun Kuti fragen, der mit seiner Band im Rathaus-Innenhof auftritt? Das wird bestimmt eine Überraschung.
Harald Justin
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 05.07.2009 .
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