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Preview: Bobby McFerrin - 02.06.2010 Wiener Konzerthaus
“Mo-mo-mo!”
Bobby McFerrin wird beim Jazz Fest Wien singen. Aber davor stehen harte Arbeit, viel Spaß und noch mehr Vorfreude!
Das sprechende Klavier, das mir am Sonntagabend beim turbulenten Eröffnungskonzerts des Jazz Fest Wien durch Jamie Cullum noch so Einiges ins Ohr flüsterte, hat heute glücklicherweise frei, weil es leicht verkühlt ist. „Jamies Bitte, ‚female underwear’ auf die Bühne zu werfen, kam ja niemand nach!“, klagt es leicht verschnupft.
Sprechend, nackt und verkühlt, nein, das ist nichts für ein Klavier und nichts für die meistens singenden und wohlbekleideten Mitglieder vom Jazzchor Freiburg. Die häufeln sich um 18:00 Uhr rund um den Karlsplatz an, wo sie gesichtet werden, als sie nach dem Wiener Konzerthaus fragen. Dem zweiten, noch leicht orientierungslosen Rudel, das sich auf dem Weg zur Konzertprobe befindet, schließt sich der Klavierflüsterer an. Freundlich sind sie, die Männer und Frauen aus Deutschland: der Klavierflüsterer wird sogleich in ihre Mitte genommen, als hätte auch er Gold im Mund und auf den Stimmbändern.

Im Schönberg-Saal des ehrwürdigen Hauses machen sie sich dann zwar nicht ganz so nackig wie mein Klavier, aber immerhin ziehen einige ihre Schuhe und Stiefel aus, legen Jacken und Pullover ab, Dann machen sie sich locker. Sie klopfen sich ab wie Soft-Flagellanten und atmen schwer. Der Gesangskunst bekommt’s, und bald erklingt ein wohliges „Mo-mo-mo-mo“, mitsamt der Mahnung des Chorleiters: „Immer auf den Grundton achten!“ Später kommt noch der amerikanische Vocal-Coach und Produzent des aktuellen Bobby McFerrin Albums VOCAbuLarieS , Roger Treece, hinzu, macht, was er machen muss – coachen - und spendiert eine Runde Mineralwasserflaschen. Das Chorleben kann so aufregend sein. Und sehr gesund.
Chorleiter Bertrand Gröger erzählt denn auch: „Wir touren viel. Wir waren in Korea, und jetzt sind wir zum ersten Mal in Wien. Wunderbar. Und die Arbeit mit Bobby McFerrin ist ebenso wunderbar. Unsere SängerInnen schwärmen noch immer von den ersten Proben. Diese Begeisterung hat nicht nachgelassen. Ich freue mich wahnsinnig auf das morgige Konzert mit ihm!“
Enthusiasmus kann ansteckend sein, und wer weiß, wie „unser Bobby“ Konzerte gestaltet, weiß: Freiburgs Jazzchor Leiter hat einfach Recht mit seiner Vorfreude! McFerrin ist bekanntlich ein oft und gern gehörter Gast in Wien. Nicht, weil er jedes Mal das gleiche Garn abspult, sondern weil er allemal für Überraschungen gut ist, mit Qualität für Genuss sorgt. Er ist der Meister der menschlichen Stimme, ein Meister der Zelebrierung ihres Könnens und, last but not least, ein Meister der überraschenden Präsentation. Jedes seiner Konzerte, die ich erlebt habe, waren Lektionen in Sachen Lebenskunst, Lebenslust und Gesangslustkunst. Wer macht ihm das nach?
Wie er am Mittwoch im Wiener Konzerthaus einen gewöhnlichen Abend in ein kollektiv-chorales Glückserlebnis verwandelt, ist demnächst hier nachzulesen. Und dann werde ich auch erzählen, was am Mittwochvormittag passierte, als Bobby McFer – „He, das darfst du noch nicht verraten!“, hüstelt das sprechende Klavier, „das ist ein Pressegeheimnis!“ - „Und morgen, darf ich dann berichten? Über das Konzert, über einige Backstage-Geheimnisse, die anderswo nicht zu lesen sind?“ Das Klavier atmet schwer, sagt dann: „Aber nur, wenn du mir einige Rasta-Locken anklebst. So wie Bobby! Ist das nicht besser als Underwear?“
Kurze Überlegung meinerseits. „Eigentlich ist nur wichtig, was du aus dir herausholst, Aus deinen 88 Tasten, aus dir, aus deiner Stimme!“ Der Klavierflüsterer hat gesprochen, und ja, es antwortet: „Ich brauche also keine Verkleidungen und kein Herumklimpern? Ich kann einfach Stimme sein?“ - „Ja. doch, komm einfach. Jede Stimme zählt!“
Da guckt das sprechende Klavier ganz komisch, und ich weiß, dass ich die Tage noch harte Überzeugungsarbeit zwischen Klavierbeinen und flatternden Stimmritzen leisten muss. Morgen mehr dazu… bis dann der Ball gekickt wird und Gilles Peterson zum Tanz am 30. Juni Museumsquartier aufspielt. Was der mir bereits erzählt hat …unglaublich!
Harald Justin
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 01.06.2010 .
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