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Bobby McFerrin & Jazzchor Freiburg “VOCAbuLarieS” – 02.06.2010 Wiener Konzerthaus

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Trübsal kann zu Hause bleiben. Denn Wiens liebster musikalischer Gast ruft wieder einmal zum Glücklichsein auf.
Der mit dem Klavier flüstert, hört schon wieder Stimmen: Ein „Mo-mo-mo“ wie gestern, aber auch ein „Uma-brrit“, versetzt zudem mit rhythmischen Klopfern auf Brust und Mikrophon. Das kann niemand so gut wie Bobby McFerrin, ein immer wieder gern gesehener und gehörter Gast in Wien. „Ich liebe Wien“, sagt er, und zusammen mit dem Jazzchor Freiburg und, nicht zu vergessen, dem Publikum im total ausverkauften Wiener Konzerthaus, formt er einen singenden Klangkörper. Knapp zweitausend Stimmen erklingen, ungefähr die richtige Menge für das von ihm und Roger Treece konzipierte Chorprojekt VOCAbuLarieS.

Sein berühmtes „Don’t Worry Be Happy“ singt er schon lange nicht mehr. Trübsal lässt er aber trotzdem nicht blasen. Lieber zaubert er allen Anwesenden mit seiner Vokalakrobatik und seinem Charisma ein Stück Glück ins Herz. Das ist schön zu sehen, etwa an den Gesichtern des Publikum vor und nach der Vorstellung, oder backstage an den Mitgliedern des Freiburger Jazzchores. Feingemacht in Schwarz und Rot, warten sie in den engen Kellergängen auf das Signal zum Auftritt. Roger Treece gibt letzte Ansagen, die Damen tragen rote Blumen im Haar, die Herren ohne Haar einen Hut. Eine Dame entdeckt – huch – eine Laufmasche, glücklicherweise dort, wo es niemand sieht und der Rock gnädig das Malheur verdeckt. (Und ich verrate es natürlich nicht weiter!) Puh, ist das alles aufregend.
Nur ein Mann schreitet scheinbar ganz die Ruhe himself durch die engen Gänge, grüßt hier und dort, und trägt, wie immer, ein T-Shirt und eine verwaschene Jeans. Das ist der, der am Vormittag am Wiener Walk of Fame einen Stern verliehen bekam. Seltsam unberührt von allem scheint er zu sein, der Bobby McFerrin. Seinen Zauber lässt er erst auf der Bühne wirken, und dann natürlich so, dass das Publikum ihn und den Chor frenetisch feiert.

Nach dem Konzert liegen sich backstage die Mitglieder des Chores glücklich in den Armen und feiern sich. „Danke für dieses Erlebnis“, beglückwünscht ein Sänger den Leiter Bertrand Gröger. Auf die Bühne müssen sie nicht mehr, dort steht für die Zugabe nur noch McFerrin als Alleinunterhalter, Ein-Mann-Ochester und Vokalakrobat. Dann kommt er auch schon hinter die Bühne, drückt sich die enge Treppe herunter, vorbei an sich beglückwünschenden Chormitgliedern, Freunden und Bekannten. „Alle Menschen können singen“, sagt er und lächelt milde. Ein kurzer Gang in seine Garderobe, ein Griff zum blauen Anorak und zum Schirm, und schon geht Bobby McFerrin allein nach Haus. Ist der Mann, der allen Menschen heute eine Portion Glück geschenkt hat, glücklich? Unglücklich? Es ist keine Stimme da, die mir eine Antwort zuflüstert.
Draußen an der frischen Luft, trete ich dem eigenen Lied schnell auf die Kehle. Wer jetzt, zwischen Wiener Konzerthaus und Karlsplatz mit lautem „Mo-mo-brra –wumba-tom“ verhaltensauffällig wird, braucht sich über die Folgen nicht wundern. Auch ein vorauseilendes „Tatütata“ verkneife ich mir. Erst zu Hause lasse ich wieder Stimmen zu. Die kommen aus dem Radio und gehören zur Musik von Gilles Peterson und Roberto Fonseca, die am 30. Juni im Museumsquartier auftreten. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die demnächst hier erzählt werden wird, wenn es heißt: „Gilles, lass etwas von dir hören!“
Harald Justin
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 02.06.2010 .
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