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Preview: Gilles Peterson & Roberto Fonseca “Havana Cultura”
“Let’s have a ball!”
Vorfreude ist auch ganz schön. Weshalb es bereits ein Vorgespräch mit Gilles Peterson gibt, der am 30. Juni zusammen mit dem Kubaner Roberto Fonseca zu tänzerischen Einlagen auffordern wird. Wie es werden wird? London is calling, Wien antwortet.
„Vuvu-trööt!“ Da bin ich wieder! Oder, wie wir Jazzer sagen: Let’s have a ball! Noch rollt der Ball, und wer weiß, wie die Tröte geblasen wird, der weiß, wie das Spiel des Lebens im Fußball und im Jazz gespielt wird. Nämlich auf alle Fälle im Zusammenspiel mit einer guten Truppe, mit sehr guten Solisten, schnellen Tempowechseln, einem klugen Aufbau, einer umsichtigen Spielleitung, mit Innovationsbereitschaft und mit einer gehörigen Portion Spaß. Genau das Richtige für Gilles Peterson, den britischen Musikbeschleuniger. Am Mittwoch, dem 30. Juni wird er zusammen mit dem kubanischen Pianisten Roberto Fonseca und seinen Mitmusikerin eben genau das machen: mittels beschleunigter Musik die Menschen bewegen und in der Halle E im Museumsquartier als DJ auflegen. Vorsichtig fragt er schon einmal: „Ist das eine schöne Location? Meinst du, da geht etwas?“ Solange er nicht die Musik spielt, die er gerne in der Dusche hört, müsste sich da schon etwas bewegen lassen. Was er unter der Dusche hört, hat er mir bereits vorher erzählt: „Meistens höre ich da altes Zeug, sogar die Carpenters! Ziemlich schräg, was?“ Er lacht. „Aber natürlich auch HipHop. Zufrieden?“ Okay, das lässt sich hören.
Gut hören zu können, das ist immerhin mit ein Grund für seine Berufswahl: „Als ich in London anfing, hatte Jazz kein besonders gutes Image. Die Leute hörten einfach nicht zu. Mitten in einem Drum-Solo von Art Blakey unterhielten sie sich oder bestellten Getränke. Damals gab es keinen Respekt für diese Musik.“ Und heute? „In London hat Jazz immer noch keinen guten Ruf. Es ist mehr eine Underground-Musik, jedenfalls dort, wo ich mich rumtreibe. In den Clubs, da wird dann aber eher Free Jazz und Noise -“ – „Vuvutrööt!“ – „- gehört, weniger Herbie Hancock. Aber ich weiß, dass in Europa Jazz viel angesehener ist.“ Ja, das Jazz Fest Wien, dessen Gast er ja diesmal ist, lässt ja auch in der Wiener Staatsoper aufspielen. „Well, that’s great, isn’t it?” “ - Yes, it is!”
Ansonsten kennt er sich natürlich in Österreich und speziell in Wien aus. „In der Soul Seduction habe ich aufgelegt, für FM4 Sendungen produziert.“ Und in Graz und Salzburg Musik abgespielt. In der Welt kennt er sich erst recht aus, hat er doch in Frankreich, in Finnland, Serbien und in Deutschland die Tanzflächen gefüllt. Wie war das damals, als er in den Achtzigern in Wuppertal auflegte, der deutschen Stadt, in der Elefanten – vuvutrööt – aus Hochbahnen fallen und die als einer der Geburtsstätten des deutschen Free Jazz in den sechziger Jahren gilt? „Das ist ja alles schon so lange her. Ich habe das damals gar nicht so wahrgenommen. Um ehrlich zu sein, ich wusste gar nichts davon. Mir wurde das erst klar, als ich wieder weg war. Ich lasse mich halt gern überraschen, ich will mir meine Offenheit bewahren.“
Aber mittlerweile hat er natürlich schon gewisse Impressionen von den Städten und Ländern eingefangen, in denen er auftritt. „Jede Szene, jede Stadt ist ein bisschen anders. Da gibt es kleine, aber feine Unterschiede. Über London kann ich schlecht etwas sagen. Aber die in Wien mag ich sehr, München ist wieder anders. Wien ist ein bisschen mehr funky als München. Die brauchen es etwas reflexiver.“ Und wie ist es auf dem Balkan? „Gut, dass du fragst. Ich war schon in Zagreb. Toll. Und ich liebe diese verrückten Balkan-Rhythmen. Leider hat mir noch niemand ein DJ-Projekt mit bulgarischer Musik angeboten! Hallo, ist da wer, der mich hört?“
Vielleicht sollte er einmal bei Roberto Fonseca anfragen. Denn der Kubaner hat in Interviews auf eine seiner Vorlieben hingewiesen: bulgarische Musik zählt zu seinen Lieblingsmusiken! Und umgekehrt, wie hält es Peterson mit der Musik Kubas? Er lacht und sucht nach Worten. „Kuba ist überhaupt das Größte. Reine Magie. Kuba ist so anders als alles andere, was es in der Welt gibt. Aber das wirst du hören, wenn wir uns beim Konzert im Museumsquartier treffen. Das wird ein super Abend, ich versprech’s dir!“ Keine Frage, für sich, die Musik Kubas und die seines Mittäters Roberto Fonseca stößt er mächtig ins Lobeshorn. Dreimal darf geraten werden, wie sich das anhört!
(Harald Justin)
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 27.06.2010 .
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