Jazz Fest Wien Blog
 

Randy Crawford/Joe Sample – 02.07.2010 Wiener Staatsoper

Randy Crawford & Joe SampleVor dreißig Jahren sang Randy Crawford Joe Samples Lied „Streetlife“ Und wurde dafür vom Publikum geliebt. Heute singt sie immer noch. Und wird dafür immer noch gefeiert. Manchmal bleibt die Zeit stehen. oder doch nicht? Was war los, gestern in der Wiener Oper?

Wild war gestern, mit Juliette Greco, Melody Gardot und James Carter. Heute steht anderes, nämlich Joe Sample und Randy Crawford, auf dem Programm, das Abwechselung auf dem Jazz Fest Wien groß schreibt. Wer dabei zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Zu früh kommen, das ist aber auch nicht die Zier des Glückpilzes. Und wenn heute, aus einer gewissen Perspektive, schon wieder gestern ist, dann wird es einerseits mit den Strafen durch das Leben schwer, Andererseits, das Glückversprechen gerät dann eben auch zwischen die Mühlsteine des Zeitenwirrwarrs. Am Besten, man kommt einfach pünktlich, passt immer. “That’s Streetlife“, flötet es vor sich hin.

Mit derartigen mühlsteinschweren Gedanken und Ohrwurmgeflöte schlendert das rasende Reporter-Ich an diesem Abend in den Backstage-Bereich. Was hat es hier nicht schon alles erlebt. Die schwarzen Augen der Juliette Greco, die Unwürdige keines Blickes streifende Melody Gardot. Einige Musiker ließen den Bereich hinter der Bühne komplett sperren. Zutritt nur für sie und ihre Entourage. Andere, etwa Helge Schneider und seine Mannen setzten sich nach der Arbeit mitten unter die Schar Auserwählter, Journalisten und Mitarbeiter des Hauses. Bobby McFerrin ging nach zweistündiger Stimmakrobatik kurz in die Garderobe und dann allein nach Haus, Sergio Mendes machte aus seiner Garderobe die kleinste Partymeile Wiens, mitsamt Zigarrengestinke, Champagnerhochgenuss und Hüftgekreisel.

Und heute, das eigentlich gestern ist? Von links unten klingt Gesang nach oben. Unten ist der Raum von Randy Crawford. Die Tür ist offen, sie sitzt vor dem Spiegel und singt munter vor sich hin. „Guten Abend, Frau Crawford!“ – „Hello!“ Einige Minuten später tänzelt sie auf dem Flur herum und hat Spaß dabei. Den nimmt ihr heute keiner.

Später, im Konzert erklärt sie noch, dass ihre gute Laune vom sehr guten Essen in Wien stamme. Im Gespräch erzählt sie, was genau damit gemeint ist: „Nuddeln and gullash!“ Außerdem hat sie sich ein Top gekauft und schon mit Erfolg auf der Bühne getragen. Hühübsch! Nuddeln and gullash und ein Top hinzu, die Dame hat das Streetlife Wiens schon genossen, leidet noch unter dem Jetlag und singt mit glockenheller Stimme natürlich eben ihren Stimmungshit.

Kaum eine Treppe höher und fünf Meter weiter kommt Joe Sample daher, noch im Freizeitdress, der aber nicht viel anders aussieht als das, was er beim Konzert anhat. Großartige Begrüßung unsererseits. Ja, zugegeben, wir hatten schon einmal die Ehre, und er erzählt sofort von seinem Herzanfall, der OP, einem Rückfall und seiner jetzigen Gesundung. „Mann, dieses starke Herz, das habe ich von meiner Mutter!“ Aber insgesamt, das wissen wir, ist das Leben kein Deckchensticken. Vom Leben der Schwarzen in den USA und vom Hoffnungsträger Obama hat er eine Menge zu erzählen, auch von Marie Laveau, der berühmten, entfernt mit ihm verwandten Voodoopriesterin aus New Orleans und dem ersten heilig gesprochenen Schwarzen aus Amerika. „A change has come!“ Und er hat seit jeher die Musik dazu gemacht.

Stimmt. Und es ist schön, ihn nach diversen überstandenen Krankheiten wieder auf der Bühne zu sehen, zu hören, wie er Piano spielt und jedes Lied dazu nutzt, kurze Statements abzugeben, die Songs zu erklären und mit dem Publikum zu kommunizieren. Die Musik, die scheinbar so einfach daherkommt, ist bei genauerem Hinhören ein wundervolles Gewebe aus Funk-Akkorden, Bluesstimmung und diffiziler Polyrhythmik, angereichert mit gefühlten tausend Jahren alten Formen und Spielweisen des Jazz, Soul, Funk und Blues. Und das, was jünger ist, etwa ihr 1979er „Streetlife“-Hit klingt immer noch spritzig genug, um aktuell als Jingle für einen Werbespot das Alkoholverhalten jugendlicher Österreicher beeinflussen zu sollen.

Von dieser Werbekampagne weiß Joe Sample aber höchstprozentig nichts, denn zur Entspannung wird ihm erst einmal ein goldbraunes Getränk mit Eiswürfeln gereicht. Garantiert kein Tee! Und genau das richtige Maß Flüssiggold, um zu verstehen, dass hinter der Bühne eine für jeden Künstler typische Art der Kommunikation entsteht. Joe Sample ist und bleibt ein Kommunikator, dem es gegeben ist, mit scheinbar einfachen Worten und singbaren Melodien die Herzen der Menschen zu erreichen. Das kann er. Nein, er fällt nicht zwischen die Zeiten, kommt weder zu spät, noch zu früh. Einfach pünktlich. Weshalb denn immer noch „Streetlife“ gesungen wird..

Genau das andere Streetlife aber gilt es nach dem Konzert in der Wiener Oper schnell zu verlassen. Weil es ja morgen noch so viel tun gibt, bei Air in der Wiener Oper, Al Jarreau, N’dambi und Doretta Carter in der Fernwärme und bei der Voraussage des Ausgangs eines Fußballspiel, dessen Endergebnis übermorgen der Schnee von gestern ist. Heiliger Einstein!
(Harald Justin)

Posted by Jazz Fest Wien/Team am 02.07.2010 . Permalink

Technorati Delicious

 

© Jazz Fest Wien, 2010. Contact . Credits . Legal Information

Videos

Artists Cloud

Fotos

Kalender

Juli 2010
M D M D F S S
« Jun    
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Archiv

Kategorien

Meta

CC License

Silver Server