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Al Jarreau | N’dambi | Dorretta Carter | Allan Harris – 03.07.2010 Fernwärme Open Air
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Das war der Tag der Stimmen: Dorretta Carter, N’Dambi, Überraschungsgast Allan Harris und Al Jarreau ließen beim Fernwärme Open Air – Konzert ihre Stimmen erklingen. Sie zu hören, war eine feine Sache, die Musiker backstage zu erleben, noch eine andere.
Gestern, also am Freitagabend – oder? - fiel das rasende Reporter-Ich dank der Unterstützung von Joe Sample und Randy Crawford ins Zeitloch ewiger Präsenz. Auf lange, lange Zeit wird mich von nun an die Kraft eines Songs und des darin enthaltenen Plädoyers für das quirlige Leben auf der Straße begleiten. Das muss der Grund gewesen sein, dass der große liebe Lochgott diese Straße am Samstagabend sich zu einem Platz vor der Fernwärme weiten ließ, um mich dort auf harten Grund und Boden mit der alljährlichen Fernwärme Open Air – Feier einer weiteren Prüfung zu untersehen.

Seit sich dieser Spielort zu einem festen Bestandteil des Jazz Fest Wien entwickelt hat, wird Jahr für Jahr seine Extravaganz deutlicher. Hier spielt die Musik, an einen Ort, wo die bunt geschmückten Türmchen gen Himmel hinweisen, ganz so als suchen sie die Nähe zum großen lieben Lochgott. Sind es seine Musen, die die Musiker auf der Bühne küssen? Hier, wo der Müll verbrannt wird, sich das Edle vom Unedlen trennt und in feinen Rauchzeichen Botschaften nach ganz oben zu geben scheint, wird eine Musik gemacht, die das Leben und den Tanz feiert. Anders als stehen, tanzen, wippen geht hier nicht, eine innigliche Beziehung zur Musik und zum Nachbarn sind unabdingbare Vorraussetzungen für das spezielle Fernwärme-Erlebnis, das dank sommerlicher hoher Außentemperaturen gerade auch für Nahwärmesucher ein geeigneter Ort ist. Hier klappt es schneller mit dem Nachbarn als in den Häusern der Hochkultur, wo Sitzen und zischelnde „Pst“-Laute noch etwas wert sind.

Und dass hier mehrere Acts hintereinander auftreten, hat einen wunderbaren Effekt: viele Musiker nutzen die Gelegenheit, im Backstage-Bereich dem Treiben der Kollegen auf der Bühne zu zuschauen. Man trifft sich und bestaunt sich, grüßt und beküsst sich. Und sie erzählen sich – also am Samstagabend dem interessiert Fragenden - Geschichten, bei denen Meisterhirne gehörig ob ihres Wahrheitsgehaltes aufpassen müssen. Die Wahlwienerin Dorretta Carter, der Eröffnungsact des Tages, erzählt auf die Frage, weshalb sie einen Stützverband an der Hand trage, sie hätte sich den Hand beim Einprügeln auf ihre ungehorsamen Musiker verletzt. (Oho!) Der grandiose Saxophonist der Allan Harris Band, Jesse Jones, erzählt, dass er einst mit Lionel Hampton und George Benson gespielt habe und 150 Jahre alt sei, aber wie 66 aussähe. (Aha!) Und Allan Harris hat, nach seinem gefeierten Auftritt und vor weiteren in Wien, einen sehr kleinen weißen Hund auf dem Arm, den er andauernd beschmust. Seine Managerin erklärt: „Der Hund heißt Ruby, benannt nach dem Song ‚Ruby, My Dear’. Für Allan Harris aber ist das Hunderl ein „Killer“. (Huch!) So nennt er das weißflockige Etwas jedenfalls. Was von solchen Äußerungen wohl wahr ist?

Wahr ist, dass Harris viel Zuspruch bekommt, gerade auch, wenn er Bluestöne anschlägt oder swingende Jazzstandards von der Leine lässt. „Manche Leute sagen“, so drängt sich ihm meine Frage auf, „dass der Blues- und Jazzstandards tot seien. Die Publikumsreaktion zeigt aber, das da noch viele Leben drin ist, oder?“ Jones und Harris lachen. „Der Blues stirbt nicht, er ist doch die Basis unserer Musik.“
Da öffnet es sich wieder. Das Zeitloch ewiger Präsenz. In ihm sind Blues, Soul, Funk und Jazz unsterblich, werden Saxophonisten 150 Jahre alt. In ihm betritt ein siebzigjähriger Sänger wie Al Jarreau die Bühne und sieht nicht viel älter aus als in den Siebzigerjahren. Seit er damals in Hamburg seine europäische Karriere mit legendären Auftritten in den berüchtigten Szene-Veranstaltungsorten „Onkel Pö“ und in der „Fabrik“ begann – wegen des großen Publikumsandrangs musste er mehrere Konzerte an einem Abend nacheinander geben! -, scheint er in einen Jungbrunnen gefallen zu sein. Auf der Bühne gibt er dem Publikum all’ seine Energie mit. Das ist eine Menge, jedenfalls soviel, dass er beim Gang von der Bühne gestützt werden muss, Aber keine Sorge, die Macht des Lochgottes ist mit ihm.
Was der sonst noch alles kann, das wäre auch eine gute Frage für den ausgewiesenen Gottes- und Soulfachmann Al Green. Wetten, dass er am Sonntagabend in der Wiener Staatsoper mit „Let’s Stay Together“ die Macht des Zeitloches ewiger Präsenz erneut beschwören wird?
(Harald Justin)
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 03.07.2010 .
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