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Al Green | Allan Harris – 04.07.2010 Wiener Staatsoper
Das war der Sonntag der drei As(se). A wie ausgezeichnet, A wie Allan und Al. Und es war ein Sonntag, an dem die Seelen jubilieren durften. Den Al Green verwandelte die Oper in ein Haus der Soul-Brüder und Schwestern.
Die Geister, die man ruft, wird man bekanntlich nicht so schnell wieder los. Einmal ihren Namen ins Zeitloch ewiger Präsenz gerufen, sind sie aber so etwas von da, dass sich einem die Ohren vor Freude anlegen. Am Samstag noch stand das Reporter-Ich mit Allan Harris, seinem Saxophonisten Jesse Jones, ihren Restgetreuen und dem soo süßen weißen Killerhund „Ruby“ auf dem Gelände der Fernwärme, wo sie der Überraschungsgast beim dortigen Open Air Festival waren, locker und erfolgreich vor Al Jarreau. Und am Sonntagabend, wer läuft mir als erster im Backstage-Bereich über den Weg? Zwei Männer und eine Frau, die mich mit Handschlag begrüßen. Wobei sich in der Hand der Frau, Allans Managerin, sich zudem eine kleine Tasche befindet, aus der ein kleiner, soo süßer Hund herausschaut. Sollte dieser Sonntag auch im Zeichen des Hundes stehen?
Die Antwort geben Allan und seine Männergruppe auf der Bühne der Wiener Oper. Sie sind auch an diesem Abend der Überraschungsact, und wer sie bisher noch nicht kannte, liebt sie offensichtlich nach dem Konzert. Jubel und viel Beifall, die Mixtur aus Balladen, vorsichtigem Boogie und Soft-Blues treibt das Publikum zu Ovationen und die Musiker zu Schweiß und Freudentränen. (Weiß das Publikum, dass er zudem mit Country & Western-Musik begeistern könnte? Und bis Mittwoch im Jazzland zu hören ist? Allan bekommt die A-Note. A wie ausgezeichnet.

Da es von dieser A-Note keine Steigerung gibt, hätte das Publikum nach seinem Auftritt eigentlich nach Hause gehen müssen. Stattdessen füllen sich einige Sitzplätze aber erst jetzt. Auch in den Garderoben und im Catering-Bereich passiert einiges. Viele allseits freundliche junge Männer afroamerikanischer Herkunft in recht lässiger Freizeitkleidung mit kurzen Hosen und Sneakers tauchen auf, pusten in Saxophone – vuvududeliö – und verwickeln Durchgehende in Gespräch. Dürfen die so in die Oper?
Ja, die dürfen nicht nur, die müssen sogar. Weil sie zu der präzise und perfekt spielenden Band des eigentlichen Hauptacts gehören. Der heißt nicht Allan, sondern Al. Und als der Al auf die Bühne geht, macht er bereits beim ersten Schritt, noch bevor er gesungen hat, dort weiter, wo der Allan aufgehört hatte: beim Beifall, der sich während des Konzertes von Wind- zur Orkanstärke aus weitet. Reverend Al Green zelebriert den Soul mit allen bewährten Tricks eines Großmeister: mit vollem Körpereinsatz, komplett mit Hinfallen und Aufstehen und angedeuteten Tanzbewegungen, mit voller Stimmkontrolle, Selbstironie, Charisma und eben vielen Hits, die ihn zu einem der ganz Großen des Soul machen. Super-A für Al.
In der Garderobe ist er nach dem Konzert nicht mehr zu finden, aber sein Geist schwebt noch im Haus, wo das begeisterte Publikum ihn immer noch feiert. Niemand würde es ihm übel nehmen, wenn er morgen wiederkommen würde und noch einmal mit den alten Hits den Soul beschwören würde. Schreien, Jubel, laute Begeisterung. Ja, genau so muss es sein, wenn ein Soul-Sänger einem den inneren Anzug vom Ballast der Alltagssorgen befreit, ihn einmal abbürstet und aufbügelt. In der Garderobe hält es niemanden, die wahre Action findet in der Wiener Oper statt, von der alle Musiker bereits vorher geschwärmt haben. Von einem fabelhaften, wunderschönen Auftrittsort war die Rede, nun, nach dem Konzert sind sich die Musiker von Al und Allan einig: dieses Publikum ist klasse. Es hat Soul! Ja, die Wiener und ihre Seelen. Allan mag sie wachgekitzelt habe, Al hat sie zum Jubilieren gebracht.
Kein Wunder, dass der, der mit dem Zeitloch und den Geistern spricht, nach dem Konzert einige seltsame Nachrichten vom Zentralfriedhof bekommt. Mehrere Männer, die unbekannt bleiben wollen – ein Herr B., ein Herr M. und Mitglieder einer Familiendynastie – lassen nachfragen, ob der Reverend Al auch für ihr Seelen etwas tun könne. Eine Nachfrage kann ja nicht schaden. Mal hören, was Herbie Hancock, der am Montag in der Oper aufspielt, dazu sagen wird. „Rockit“ oder „Roll over, Beethoven“?
(Harald Justin)
Posted by Jazz Fest Wien/Team am 04.07.2010 .
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