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Jazz Fest Wien: Fr 04.7.

Lou Reed "Berlin" Planet Music im Gasometer 20.00 Uhr

Lou Reed (c: Wolfgang Gonaus)Lou Reed (c: Wolfgang Gonaus)Lou Reed (c: Leslieimage.com)Lou Reed "Berlin"

Lou Reed

Der 1942 in Brooklyn geborene Lewis Alan Reed, kurz Lou Reed genannt, war über viele Jahre lang das prototypische Rock´n´Roll Animal des Popzirkus. In rascher Abfolge wechselten Triumphe und Abstürze. Er verließ bald sein Elternhaus, studierte ein wenig in Syracuse. Dort traf er den Poeten Delmore Schwartz, der ihn nachhaltig prägte. Als Musiker begann Reed schon 1963 als Mitglied der Doowop-Kombo The Shades erste Erfahrungen zu sammeln. Im selben Jahr zog er nach New York und verdingte sich zunächst als Staffwriter bei Pickwick Records. Mit „The Ostrich“ lancierte er einen kleinen Hit. 1965 gründete er in der Lower East Side von New York die Band The Velvet Underground mit John Cale, Sterling Morrison, Maureen Tucker. Auf sanftes Drängen von Andy Warhol nahm er die deutsche Sängerin Nico mit ins Line-Up auf. Das Debütalbum enthielt Klassiker wie „Waiting For My Man“, „Venus In Furs“, „Heroin“ und „Femme Fatale“. Obwohl es nur Platz 131 in den Billboard Albumcharts erklomm, gilt es als eines der wirkmächtigsten Alben der Pophistorie. 1970 verließ Reed seines Geistes Kind und lancierte eine Solokarriere, die zunächst in Großbritannien begann, wo er mit Rick Wakeman und anderen Musikern von Yes sein Debütalbum einspielte. 1972 veröffentlichte Reed sein von David Bowie produziertes Glam-Rock-Meisterwerk „Transformer“, das den Welthit „Walk On The Wild Side“ enthielt. 1973 erschien das düstere, Album „Berlin“, sowie das Live-Album „Rock´n´Roll Animal“. Doch Lou Reed blieb schwierig. Auf sein Popalbum „Sally Can´t Dance“ folgte seine Gitarrenfeedbackorgie „Metal Machine Music“. „Coney Island Baby“ zeigte den Misanthropen Reed von einer überraschend fröhlich-groovenden Seite. Es folgten superbe Songkollektionen wie „Rock´n´Roll Heart“, „Street Hassle“ und „The Bells“, wo er mit Jazzstar Don Cherry improvisierte. In Achtzigerjahren reüssierte er mit gehaltvollen Werken wie „The Blue Mask“, „Legendary Hearts“ und „New York“. In den Neunzigerjahren ediert er nur zwei Alben, darunter „Magic And Loss“, wo der legendäre Jazzsänger Little Jimmy Scott gesanglich mithalf. Der mit der Künstlerin Laurie Anderson liierte Reed konnte jüngst auch mit seinen Edgar-Allen-Poe-Reverien „The Raven“ und mit „Hudson River Wind Meditations“ gefallen.
Im Vorjahr entschied er sich dafür, sein 1973 veröffentlichtes Meisterwerk „Berlin“ wieder aufzuführen. Das von Alice-Cooper-Produzent Bob Ezrin betreute Opus, wartete mit musikalischen Beiträgen von Granden wie Steve Winwood, Jack Bruce, Dick Wagner, B.J. Wilson (Procul Harum) und Aynsley Dunbar auf. Reed begab sich in die Positur des Schmerzpoeten und handelte zu überirdisch schöner Musik ewige Menschheitsthemen wie Liebe und Verrat, Fluch und Erlösung auf. Ein zeitgenössischer Musikkritiker bezeichnete die Liedersammlung als „den unverhülltesten Exorzismus einer manischen Depression, der jemals auf Vinyl ausgeführt wurde.“ Das cinematographisch angelegte Werk führt in eine Welt klarsichtigen Deliriums. Auf der Folie der lasziven Szene der Weimarer Republik beschwor Reed die Dämonen seiner damaligen Gegenwart. Gewalt und Paranoia, Drogenabusus und Depressionen nährten Musik und Poesie. Neben der Instrumentalarbeit der erwähnten Superstars des Pop beeindruckten auch die ausladenden Streicherarrangements. Lou Reed selbst spielte Akustikgitarre.
34 Jahre später wurde die Wiederaufnahme ein Triumph. „Berlin“ ging im Vorjahr mit einem 30-Mann-Orchester und zwölfköpfigem Mädchenchor auf große Tour. Das was Lou Reed als den von ihm geschaffenen „Hamlet Of Electricity“ ansieht, war endlich angekommen. Julian Schnabel filmte bei Aufführungen im St. Ann´s Warehouse in Brooklyn und gestaltet ein beseeltes DVD-Dokument. Aber was ist die schönst gemachte Konserve gegen ein lebendiges Konzerterlebnis... Am 4. 7. kann man nun endlich auch in Wien dieses aufregende Stück Rockhistorie erleben.

   
 
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