Jazz Fest Wien Jazz Fest Wien
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Jazz Fest Wien: Fr 04.7.

Charles Lloyd Quartet | Abdullah Ibrahim solo Wiener Staatsoper 19.30 Uhr

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Charles LloydCharles LloydCharles LloydCharles Lloyd Quartet

Charles Lloyd

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Charles Lloyd, 1938 in Memphis geboren, gehört seit vielen Jahren zu den Säulenheiligen des Jazz. Sein vielleicht eindrucksvollstes Opus „Lift Every Voice“, hat er einige Monate nach den Geschehnissen des 11. September aufgenommen. Stilistisch pendelt er da zwischen Hymnus, Spiritual, Soul, Blues und Jazzekstase. Sein intensives Spiel weiß von der Macht der Musik (fast) jegliches irdisches Ungemach transzendieren zu können. Musik war schon früh Weltflucht für den in eher armen Verhältnissen geborenen Lloyd. Er erinnert sich „Arm waren wir nur materiell, spirituell wuchs ich in großem Reichtum auf. Und ich wußte bereits als Dreijähriger, daß ich zum Saxophonspielen auf die Welt gekommen bin. Es gab Kids in meiner Umgebung, die besser spielen konnten, aber meine Liebe zum Spiel war aufrichtig und extrem groß, also ließ ich mich nicht entmutigen und arbeitete ständig an mir. Bis zum heutigen Tage. Meine Adoleszenz fiel in eine Zeit, in der man anstrebte wirklich tiefgehende Musik zu machen, Musik für die Seele und den Geist. In Wirklichkeit spielt man ja für den Schöpfer, ist jedes Stück ein Gebet.“ Der künstlerische Weg des musikalischen Gottsuchers begann indes weitaus profaner. Lloyd spielte Blues mit Bobby Bland und B.B. King, musizierte an der Seite von Cannonball Adderley in so ziemlich allen Steakhäusern des amerikanischen Südens, ehe er mit seiner Platte „Forest Flower“, dem ersten Jazzalbum, das über eine Million Käufer fand, zur großen Karriere abhob. Er trat im Rock-Circuit an der Seite von Gruppen wie der Jimi Hendrix Experience und den Grateful Dead auf, popularisierte den Jazz mindestens so wie Miles Davis. Allerdings führte die Gesellschaft von Rockgrößen zu allerlei toxischen Verirrungen. Rechtzeitig zog sich der von Natur aus introvertierte Künstler für lange Jahre auf seine weitläufigen Gründe im kalifornischen Big Sur zurück. Und wer weiß, wäre da nicht der Pianist Michel Petrucciani gewesen, der zu Beginn der achztiger Jahre immer wieder zu Lloyd pilgerte, hätte der Saxophonist wohl niemals zu jenem radikal individuellen Idiom gefunden, die ihn nun zum Vorbild jüngerer Saxophonistengenerationen macht. Mit seinem elegischen aber nicht minder flamboyanten Ton auf Meisterwerken wie „Canto“ und „Voice in the Night“ eroberte er das Jazzpublikum zurück.
Rechtzeitig zu seinem 70. Geburtstag heuer am 15. März kam Charles Lloyds neues Opus „Rabo de Nube“ in die Läden. Es ist ein Live-Mitschnitt seines letztjährigen Basel-Konzerts und gleichzeitig das erste Tondokument seiner neuen Formation mit dem großartigen Pianisten Jason Moran, mit der er auch in Wien gastieren wird. Dieser Tastenakrobat, einst bei Granden wie Andrew Hill, Jaki Byard und Muhal Richard Abrams in die Lehre gegangen, verschiebt das bandinterne Kräfteparallelogramm signifikant. Besonders schön nachzuvollziehen im Duett von Klavier und Flöte in „Booker´s Garden“, Lloyds gefühlvolles Tribut an den Trompeter Booker Little, seinen schon mit 25 Jahren verstorbenen Freund aus Kindheitstagen in Memphis. Der Titeltrack „Rabo de Nube“, ursprünglich auf Lloyds Opus Magnum „Lift Every Voice“ ediert, verzaubert mit ungewöhnlich reinem Ton. Lloyd ist längst dort angelangt, worin er einst John Coltrane nacheiferte. Wie Trane vermag er Avantgarde und Tradition(en) auf immens luftige Art in seinen Stil zu integrieren.

This 70-year-old saxophonist and composer has been a pillar of American jazz for years. Many believe his most impressive work is “Lift Every Voice”, which Lloyd wrote and recorded shortly after the 9-11 attacks of 2001. His music has attracted a dedicated following by combining jazz with hymns, blues, Soul and spirituals. Following collaborations with B.B. King and Bobby Bland, Charles Lloyd recorded “Forest Flower”, the first jazz album to sell more than one million copies. He later played with rock artists such as Jimi Hendrix and the Grateful Dead. For Lloyd jazz is about combining tradition with the avant-garde and reaching the mind as well as the soul.

   
Abdullah Ibrahim (c: Manfred Rinderspacher)Abdullah Ibrahim (c: Manfred Rinderspacher)Abdullah Ibrahim (c: Manfred Rinderspacher)

Abdullah Ibrahim

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Dieser Tage ist er ein gefragter Lehrer, dessen holistische Sichtweise genauso in britischen Nobel-Colleges wie in armen afrikanischen Schulen gefragt ist. M7 nennt er sein Lehrprojekt, das für Music, Movement, Meditation, Martial Arts, Medicine, Menu und Masters steht und die Musik mit individuellem Lebensganzen zusammenbringt. Ernährung und Lebensführung, Bewegung, Übungen in Konzentration und Disziplin aber auch Kenntnisse in Marketing lehrt der kürzlich 74 Jahre alt gewordene Veteran. 1934 in Kapstadt als Adolph Johannes Brand geboren, war der versatile Pianist und Sopransaxofonist in höchstem Maße vom Selbststudium abhängig. Wohl brachte ihm seine Großmutter, die als Organistin in der Kirche werkte, Grundlegendes bei, den Jazz entdeckte er sich über den Umweg des R&B eines Louis Jordan selber. Es war nicht leicht an jazziges Material zu kommen, noch schwieriger war es, in der Hochphase der Apartheid eine eigene Formensprache zu schaffen, die mehr als nur eine weitere Variation amerikanischer Vorbilder ist. Unter dem Namen Dollar Brand begann der junge Mann als Sänger in Gruppen wie den Streamline Brothers. In der Formation Tuxedo Slickers bearbeitete er bereits das Klavier. Unterhaltungsprogramme wie „Africa sings“ machten seinen Namen erstmals außerhalb Südafrikas bekannt. Mit der Gruppe Jazz Epistels bei der u.a. auch der später berühmte Trompeter Hugh Masakela spielte, schuf er zu Beginn der sechziger Jahre bahnbrechende Werke wie „Verse 1“ und „Plays Sphere Jazz“ für die es erste Einladungen nach Europa hagelte. Brand entschied sich für Zürich, wo er regelmäßig im Trio im Café Africana aufspielte. Seine Ehefrau, die Sängerin Sathima Benjamin machte ihn eines Tages mit einem älteren Herren namens Duke Ellington bekannt. Der entzündete sich sofort am Sound des afrikanischen Talents und zeigte sich erbötig dessen nächste Platte zu produzieren. Das 1963 edierte Album „Duke Ellington presents The Dollar Brand Trio“ katapultierte den jungen Mann in die erste Liga des Jazz. Ab 1966 mischte Brand die Szene New Yorks auf. Schnell hatte er in der Free-Jazz-Szene des Big Apple eine glänzende Reputation, spielte mit Granden wie John Coltrane und Don Cherry, Ende der sechziger Jahre konvertierte Brand zum Islam, nannte sich fortan Abdullah Ibrahim und kehrte den USA den Rücken. Musikalisch fokussierte er ab nun Afrikanisches und Asiatisches, das er mit eher traditionellen Jazzklängen amalgamierte. Seinen Wohnsitz verlegte er nach Europa, wo er zum Pendler zwischen Dritter und Erster Welt wurde. Seit Beginn der siebziger Jahre ist er beim deutschen Label Enja unter Vertrag, wo er alle Freiheiten genießt. In seiner Kunst würzt Ibrahim Elemente christlicher Hymnen, arabischer und malaysischer Folklore, Bebop, Free Jazz und südafrikansiche Karnevalsmusik mit steinalen afrikansichen Rhythmen. Epochal gelungen etwa auf „Good News from Africa“ von 1973 sowie auf seinem Meisterwerk „Mindif“ von 1988. Rund um seinen siebzigsten Geburtstag hat ihn auch die Remix-Generation als inspirierenden Samplequell entdeckt. Das hörenswerte Album „re:brahim“ versammelt neun Neubearbeitungen Ibrahimscher Melodien. Mit sensiblen Bearbeitungen von Kapzitäten wie DJ Spooky, Toshio Matsuura, Fauna Flash und Sonarkollektiv war seine Musik nun auch in Elektronik-Lounges und Underground-Clubs angekommen, wo Jazz sonst eher ein Schimpfwort ist. Beim Jazzfest Wien 2008 wird Abdullah Ibrahim solo auftreten und seine musikalischen Ideen auf bewährt akustische Weise vortragen. In seinen durch fast vergessene Rhythmen belebten Stücke verbindet er Zeitgenössisches mit verschütteter Tradition, Mystisches mit unverwandt Sinnlichem.

After launching his musical career in his native South Africa, Dollar Brand (as he was then known) came to Europe in the early 1960s when he met Duke Ellington in Switzerland. The Duke was so impressed that he produced an album called “Duke Ellington Presents The Dollar Brand Trio”, which attracted the attention and praise of both jazz fans and musicians. By 1966 Brand was living in New York where he was performing with other free jazz pioneers such as John Coltrane and Dion Cherry. At the end of the 1960s he relocated to Europe, converted to Islam, and renamed himself Abdullah Ibrahim. His milestone albums include “Good News From Africa” and “Mindif”. His music incorporates elements which include Arab and Asian music, Christian hymns, Bebop, folklore, African rhythms and Free Jazz. He also devotes much of his time to his M7 project which promotes music and well-being in schools both in Africa and elsewhere. Charles Lloyd will be performing solo at the Vienna Jazz Festival.

   
 
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