Jazz Fest Wien Jazz Fest Wien
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Jazz Fest Wien: Mi 09.7.

James Carter Quintet| Heinz v. Hermann "Straight Six" Kammeroper 19.30 Uhr

James CarterJames Carter

James Carter

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Der Mann hat eine besondere Beziehung zu seinen Instrumenten. So kann es schon passieren, dass er auf der Bühne seinem Saxofon ein Küsschen verpasst, dass er mit seiner Flöte spricht, bevor er sie spielt. Dann hat es aber nicht selten ein plötzliches Ende mit den Zärtlichkeiten. Carter kann gesittete Swingnummern auf interessante Art ausfransen lassen, gerät überhaupt erst auf Betriebstemperatur, wenn die Noten vom Papier kullern und sich die Growl- und Soundeffekte majestätisch platz machen. Der großgewachsene Musiker spielt zuweilen wie eine multiple Persönlichkeit. Ein kleines Rucken mit dem Schädel und der erwachsen gewordene einstige Young Lion katapultierte sich in eine neue ästhetische Sphäre. Mal ist er wilder Harlemit, dann läßt er die vitale Ära des Cotton Club der vierziger Jahre wiederauferstehen, dann wieder gibt er jäh den bluesgetränkten Kansas-City-Jazzer nur um in den nächsten Sekundenbruchteilen Free-Jazz-Eskapismus à la John Coltrane zu betreiben. Nicht nur beherrscht er es auf bestechende Weise die patinierten alten Melodien anzureissen, nein, er legt auch bewährten Groove-Klassikern von Heroen wie Gene Ammons und Eddie Lockjaw neue Schmutzschichten an. Darüber hinaus hat dieser wilde Mann seine Formensprache nicht bloß von Swing und Avantgarde, sondern auch aus Bootsy Collins´ P-Funk oder den halbirren Raps eines Ol´Dirty Bastard entwickelt. Rätselhaft bloß, warum er in den letzten vier Jahren, nach brillanten Alben wie „Chasin´ The Gyspy“ und „Gardenias For Lady Day“, nur mehr zwei Livemitschnitte publizierte.
Das Warten auf ein neues Studioalbum hatte nun ein Ende. „Present Tense“ sein neues Opus erschien im April. Produziert von Michael Cuscuna und begleitet unter anderen von D.D. Jackson am Piano, Dwight Adams an der Trompete und Victor Lewis am Schlagzeug führt das Album gleichermaßen in die Vergangenheit wie in die Zukunft. Der Autodidakt, der beim kryptisch agierenden Meister Donald Washington, einem Motor der Detroit-Szene der fünfziger- und sechziger Jahre, in die Lehre ging, liebt es gleichermaßen nostalgisch wie radikal neu.
Einerseits konversierte Carter in der Vergangenheit souverän mit den Altvorderen („Conversin´ with the Elders“) von Harry „Sweets“ Edison bis zu Hamiet Bluiett und Flip Phillips, andererseits war Carter schon von Beginn seiner Plattenkarriere an, darauf aus, seinen unverwechselbaren Ton mit Eigenkompositionen zu zelebrieren, die inspiriert sind, nicht bloß von der Jazzhistorie zwischen Swing und Avantgarde. Egal, ob an der Seite von Operndiva Kathleen Battle, in Hammond-B-3-Formationen, im Filmsoundtrack von Robert Altmans „Kansas City“ (in dem Carter Ben Webster mimte) oder bei diversen Studiodates mit großen Namen wie Herbie Hancock oder Cyrus Chestnut - in all diesen Konstellationen bestach Carter durch ungebrochene Neugier an den Noten zwischen den Noten. Der eruptive Überschwang Carter´scher Soli, der das amerikanische Magazin Downbeat zu der bedenklichen Formulierung „blitzkrieg of phrases“ verführte, ist ungebrochen.
Der flamboyante Musiker spielt alle vorstellbaren Arten von Saxophon, wobei aber das Tenorsaxophon im Zentrum der Carter´schen Luftsäulenartistik steht. Bei seinen fulminanten Liveauftritten stehen Sopran-, Bariton- und sogar Baßsaxophon stets griffbereit, um die Optionen für größere Ausdrucksbreite blitzschnell realisieren zu können. Nach seinen beiden Erfolgsalben „Chasin´ the Gypsy“, wo er Django Reinhardt huldigte und seiner ersten künstlerischen, sehr funky ausgefallenen Begegnung mit der New Yorker Downtown-Szene. „Layin´ in the Cut“ veröffentlichte James Carter vor wenigen Wochen sein neues Album „Gardenias for Lady Day“. Diese schwelgerische Hommage an seine Lieblingssängerin Billie Holiday ist von höchster Delikatesse.
Billie Holiday erscheint Carter auch in seinen sepiafarbenen Träumen. Da erschien ihm Lady Day und flüsterte ihm eine Melodie. Nach dem Aufwachen schrieb Carter diese sofort auf, kreierte ein Stück und nannte es „Sussa Nita“. Enthalten ist es auf dem aktuellen „Present Tense“, einem unerhört vielfältigen Album. Von besonderer Machart ist auch der Opener „Rapid Shave“, ein Stück, das einst Stanley Turrentine auf dem Tenorsaxofon unsterblich machte. Carter spielt es auf unnachahmlich intensive und rasante Art auf dem Bariton. Besonders innig gerieten einmal mehr seine Balladen. „Tenderly“ und „Dodo´s Bounce“. Man kann schon gespannt sein, wohin Carter seine unberechenbare Kreativität live in Wien treiben wird.

Since his days as one of the “young lions” of jazz, this multi-saxophonist, composer and flautist has developed a reputation for being a musician of extremely wide breadth. During a James carter concert the audience can be dazzled by everything from riffs from the Cotton Club era to Kansas City jazz (Carter played sax man Ben Webster in the Robert Altman film “Kansas City”) to the honking saxophones of the 1950s to the Funk of a Bootsy Collins. James Carter can also ramp down the musical velocity to deliver extremely moving ballads. If variety is the spice of life, then James Carter is a musical spice mixer.

   
Heinz v. Hermann (c: R. Rygalyk)Heinz v. Hermann (c: R. Rygalyk)Heinz v. Hermann (c: R. Rygalyk)

Heinz v. Hermann

Der Saxofonist und Flötist wurde 1936 in Wien geboren. Als Kind lernte er zunächst klassische Geige, ehe er mit 17 Jahren zum Jazz schwenkte. Fatty George persönlich gab ihm Unterricht an der Klarinette, an allen anderen Instrumenten bildete sich Von Hermann autodidakt weiter. Bei einem Nachwuchswettbewerb den Friedrich Gulda 1958 im Club Tabarin ausrichtete, wurde er als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet. Im selben Jahr ging er mit dem legendären Uzi Förster auf die Walz. Uzi Förster ging 1960 nach Österreich zurück, Heinz von Hermann blieb und spielte in amerikanischen Soldatenclubs und den wenigen deutschen Jazzclubs. 1961 gastierte Heinz von Hermann mit Peter Herbolzheimer in Tripolis. Es folgte ein halbjähriges Engagement in Frankreich. 1963 ging er nach Spanien, wo er im Madrider Jazzclub in der Hausband zusammen mit Stargästen wie Booker Ervin, Lee Konitz, Billy Brooks und Donald Byrd spielte. Später spielte er in Italien und wieder in Deutschland, wo er in Max Gregers Orchester spielte. Weiters begleitete er Joe Haider, Mal Waldron, Benny Bailey und unterhielt ein eigenes Quartett mit Jimmy Woode, Joe Harris und Mike Thatcher. In den Siebzigerjahren absolvierte Heinz von Hermann sehr viel Studioarbeit und begleitete mit Paul Kuhns SFB Bigband fast alle internationalen Showgrößen jener Tage. Etwa: Lionel Hampton, Dizzy Gillespie, Caterina Valente, Bill Ramsey, Marianne Mendt, Joe Williams, Dianne Warwick, Shirley Bassey, Jose Feliciano, Wencke Myhre, Sammy Davis jr., Henry Mancini, Victor Borge, Paul Anka, Ray Charles, Bert Kaempfert, Al Jarreau, Manhattan Transfer, Dianne Reeves, Dee Daniels und Bobby McFerrin. Jazzmäßig ließ Heinz von Hermann mit Tourneen gemeinsam mit Maynard Ferguson und Lionel Hampton aufhorchen. Auch mit Carmell Jones, Leo Wright und Slide Hampton spielte er.
Seit 1972 Lehrauftrag an der Hochschule der Künste Berlin im Fach Saxophon (klassisch). Mitbegründer (mit P. Herbolzheimer) und Dozent des Bujazzo (Deutsches Bundes Jugend Jazz Orchester). 1990 - 1997 Gründer und Leiter des Berliner Landes Jugend Jazz Orchesters (BJJO). Auch mit vielen anderen Bands unzählige Bigband- und Saxophon-Workshops in Deutschland, Österreich, Slowenien, Rumänien, Mexico, Hanoi, 1991 Rückkehr nach Österreich, Lehrauftrag am Konservatorium Klagenfurt, später Leitung der dortigen Jazzabteilung.
Seit 1991, nach der Aufnahme der Lehrtätigkeit in Klagenfurt, neues Trio mit Erich Bachträgl und Uli Langthaler. Hat seit 1996 wieder ein eigenes Quintett mit Andy Haderer und Bruno Castellucci, seit 2001 auch mehrere Tourneen mit dem "JazzAhead Chamber Jazz Trio" mit Erwin Schmidt und Uli Langthaler. Ende 2004 erfolgte die Gründung des Sextets "Straight Six" mit Dusko Gojkovic an Trompete und Flügelhorn, Adrian Mears an der Posaune Jörg Reiter am Piano, Bruno Castellucci am Schlagzeug und Mads Vinding am Kontrabaß.

   
 
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