Solomon Burke, 1936 in Philadelphia
geborener Soulgigant, wuchs gewissermaßen in der Kirche
auf. Mit neun Jahren begann er im von seiner Großmutter
gegründeten Gebetshaus „Solomon´s Temple“
zu singen und war bald darauf auch als „The Wonder Boy Preacher“
Star einer lokalen Radiostation. Seine Aufnahmen für die
Labels Atlantic, Chess, Apollo, Bell, MGM und ABC/Dunhill sind
amtlich und trugen ihm den Beinamen „The Bishop of Soul“
ein. Selbst in seiner kommerziell fruchtbarsten Zeit verdingte
er sich noch zusätzlich als Leichenbestatter und Popcorn-Produzent,
obwohl Gruppen wie die Rolling Stones seine Songs coverten. Mit
Alben wie „We´re Almost Home“, „I Have
A Dream“ und vor allem „Back To My Roots“ und
der genialen „Music To Make Love By“ schraubte er
seine Sangeskunst in unerreichte Höhen. Präzise und
unbarmherzig leuchtete Solomon Burke auch die verborgendsten Winkel
der menschlichen Seele aus, stieß in die letzten Refugien
des Bewußtseins vor, um Geheimnisse und falsche Versprechungen
aufzudecken und sämtliche schwelende, existentielle Zweifel
mit Hilfe der Musik aufzulösen, in etwas Höheres zu
transzendieren.
Eine jahrzehntelang konsequent durchgehaltene Diät, die Steaks,
Spareribs, Hamburger und Kebap umfaßte, hat aus dem schlanken,
feschen Solomon Burke der frühen sechziger Jahre, einen derartigen
Koloß gemacht, der in seiner Hauptprofession als Sänger
schon lange kein Konzert mehr stehend zu geben gewillt ist: the
King of Rhythm´n´Soul sitzt – völlig angemessen
– stets in einem Thronsessel. Seinem sensationellen Comeback-Album,
dem vom genialen Singer/Songwriter produzierten „Don´t
give up on me“ auf dem der Bishop of Soul, die bekenntnishaften
Songs eines Van Morrison, Dan Penn, Bob Dylan, Joe Henry, Elvis
Costello u.a.m. mit jeder Menge Gospel und Soul anzureicherte,
folgte dieser Tage ein unter der Aufsicht von Produzent Don Was
entstandenes Juwel. Auf „Make do with what you got“
setzte man die Strategie des superben Vorgängeralbums fort,
in dem Burke mit seiner steinerweichenden Stimme große Songs
von großen Autoren intonierte. Gehaltvolle Songs, etwa Bob
Dylans „What good am I“, Robbie Robertsons „It
makes no Difference“ und Dr. Johns Titeltrack „Make
do with what you got“ wurden einer soliden Gospelbehandlung
unterzogen und der ewig grantelnde, irische Barde Van Morrison,
der als einziger Komponist auch auf dem Vorgängeralbum wirkte,
setzte den Soul-Preacher abermals in die Eisenbahn. Burke lachend:
„Ja, unglaublich. Nach dem „Fast Train“ fahre
ich diesmal in Vans Song „At the Crossraoads“ mit
dem „Midnight Train“. Ich hab ihn ja im Vorjahr zufällig
in ihrem Land bei einem Festival getroffen. Wir machten in den
sechziger Jahren beide mit dem etwas zwielichtigen Bert Berns
zweischneidige Erfahrungen. Heute können wir darüber
lachen.“ Augenzwinkernd nahm Burke dann noch „I got
the Blues“ aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards
in seinen Kanon auf. Vierzig Jahre vorher spielten die Stones,
die damals im Rufe standen, die Blues-Schule des Chess-Labels
sowie Soulshouter wie Don Covay zu kopieren, Burkes Signature-Song
„Everybody needs somebody to love“ nach. Ein Sakrileg?
„Nein, überhaupt nicht!“ ereifert sich Burke,
der diesen Song im Vorjahr zum ersten Mal gemeinsam mit den Stones
interpretierte, „ich wußte von Anfang an, daß
die Rolling Stones aus diesem Lied etwas ganz Besonderes machen
können.“ Zum Highlight dieser Liedersammlung geriet
der Hank-Williams-Songs „Wealth won´t save your Soul“,
wo sich Gospel und Country, Transzendentes und Profanes auf magische
Weise verbinden und Burkes unnachahmliche Stimme zwischen romantischer
Bereitschaft und der Ehrfurcht in die Macht Gottes vibriert.
Sein letztes Album führte Solomon Burke nach Nashville. Er
will ja mit der Fusion von Country und Soul noch vor Ray Charles
dran gewesen sein. Prüft man das – und man muß
alles prüfen was dieser mächtige Mann sagt, schließlich
ist doch seine Phantasie ebenso ausufernd wie seine Essgewohnheiten-
so stellt sich heraus, daß es tatsächlich King Solomon
war, der Country und Soul als Erster vermählte. Wie viele
andere afroamerikanische Musiker, da seien etwa Aaron Neville
und Wayne Shorter zu nennen, war auch Burke von frühen Westernhelden
wie Roy Rogers und Herb Jeffries fasziniert. Und so enthält
„Nashville“ 14 großartige Songs, die elegant
zwischen Tradition und Moderne, zwischen Neo-Country, Hillibilly
und Soul wandeln, davon einige bestrickende Duette mit Dorfprinzessinnen
wie Dolly Parton und Emmylou Harris. Hammondorgel und Pedal-Steel-Guitar
dominieren viele Arrangements, darüber hinaus würzte
Produzent Buddy Miller mit reichlich Akkordeon, Cello und Fiedel.Highlights:
das düstere „Does My Ring Burn Your Finger“ und
das an den späten Johnny Cash gemahnende „´Til
I Get It Right“. |