Nur wenige beherrschen den Spagat
zwischen komplexen Arrangements und seelenvollem Ausdruck. Der
Londoner Gitarrist Jean Paul „Bluey“ Maunick, einst
Mitglied des legendären Brit-Funk-Outfits „Light of
the World“ und die Mannen seiner 1980 gegründeten Formation
Incognito, tätigen nun schon mehr als zwei Dezennien eingehende
Studien dahingehend, wie man blutvolle Expression mit polierter
Oberfläche kombinieren kann. Incognito sind ein Phänomen
in der kurzlebigen Szene Großbritanniens. Ihre positiven
Vibes und ihr verspielter Jazz-Approach machen sie zu Dauerbrennern,
der trotz nicht gerade zimperlicher Anleihen von ihren US-Vorbildern
Earth, Wind & Fire, Stevie Wonder und Kool & The Gang,
so etwas wie den original britischen Vibe kreierten. Im Windschatten
von britischen Funkbands wie Gonzalez und FBI begannen Bluey und
Freunde in den späten Siebzigern ihren Sound zu schmieden.
Maunick wollte alles sein, Produzent, Komponist und Teil einer
musikalischen Gemeinschaft.
Das Debütalbum war noch vollständig instrumental ausgerichtet.
BBCs Radio One verwendete das Stück „Parisienne Girl“
gerne als Füller vor den Nachrichten. Auf diese Art wurde
es landesweit bekannt und beliebt. Unter den Gästen dieses
ersten Albums befanden sich solch illustre Namen wie Hugh Masakela
und Vin Gordon. Obwohl sich viele Musiker der Stammbesetzung sofort
wieder absetzten, wußte Bluey Maunick, dass er seinen Weg
konsequent weiterführen müsse. Er arbeitete in der Folge
mit Groove-Granden wie Marcus Miller, George Duke und Maxi Priest.
Labelmäßig folgte der Durchbruch mit Gilles Petersons
Talkin´ Loud. Das „Inside Life“-Album, mit Gastsängerin
Jocelyn Brown, sollte den Durchbruch bringen. Mit delikatem Sequenzer-Sound
und spritzigen Bläserarrangements eroberten Songs wie „Metropolis“
und „Love Is The Colour“ die Tanzflächen in den
Clubs. Mit dem von Jocelyn Brown energetisch intonierten Jazz-Funk-Standard
„Always There“, den einst Ronnie Laws berühmt
machte, ging die Post auch für Incognito ab. Der Remix von
David Morales geisterte durch sämtliche Dance-Charts dieser
Welt. Das nächste Album „Tribes, Vibes & Scribes“
brachte die Band in eine neue Umlaufbahn. Blueys Stück „Colibri“
und das von Maysa Leak gesungene Stevie-Wonder-Goodie „Don´t
You Worry ´Bout A Thing“ eroberten die Hörer
des amerikanischen Quiet-Storm-Radios, jener Erwachsenensender,
in denen Hören mit Relaxen gleichgesetzt wird. Auch ihr späterer
Instrumentalhit „L´Arc En Ciel De Miles“ wurde
von den Smooth-Jazz-Kanälen überschwänglich aufgenommen.
Seither sind Incognito international erfolgreich. Vor allem das
1993er Album „Positivity“ schlug mit über ein
Million verkaufter Einheiten groß ein. Darauf enthalten
die Zauberditties „Still A Friend Of Mine“ und „Givin´
It Up“. Für den Nachfolger „100 Degrees &
Rising“, das im Londoner Abbey Roads Studio aufgenommen
wurde, engagierte Bluey sogar Clare Fischer, der regelmäßig
auch für Prince arrangiert. In der Folge produzierte Bluey
auch Teile von George Bensons feinem Album „That´s
Right“ (1996) und arbeitete mit dem New Yorker DJ-Outfit
Masters At Work.
Zum 25. Jährigen Bandjubiläum erschien „Adventures
In Black Sunshine“. Es geriet zu einem herausragenden Beispiel
dafür, wie man den groovigen Siebzigerjahre-Sound mit aktueller
Technologie weiterentwickeln kann, ohne dabei Substanzverlust
zu erleiden. Egal ob zischendes Jazzfunk-Instrumental wie etwa
„Mindin´ my Business“, von der beeindruckenden
Sängerin Maysa intonierter, elegant groovender Soul wie „Don´t
turn my love away“ oder weltgewandet Fusion à la
Beyond the Clouds“ – Incognito bestechen in sämtlichen
dargebrachten Facetten.
Für „Eleven“ von 2005 war Bluey zum ersten Mal
mit seiner Tourband im Studio. Die Groove-Gemeinschaft zeigt sich
darauf in Spitzenform. Ein Jahr darauf überraschten Incognito
mit „Bees, Things & Flowers“, einem Album, das
eigene Hits und Klassiker von Roy Ayers und Earth, Wind &
Fire in neuen, groovigen Arrangements kredenzte. Blueys Remake
des schönen Stücks „Tin Man“ von America
überraschte zusätzlich. Sämtliche großen
Vokalistinnen der Incognito-Geschichte von Carleen Anderson über
Jocelyn Brown bis hin zu Maysa und Imaani, waren vertreten und
Bluey bliebt nur mehr eines zu verlauten: „We are teachers,
healers. I certainly see myself as much more of a healer than
an entertainer!“
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| The
jazz and funk collective Incognito was launched by British guitarist
Jean Paul “Bluey” Maurick in 1980. Maurick was influenced
by US soul and funk bands of the 1970s such as Earth, Wind and
Fire, Stevie Wonder and Kool and the Gang. Incognito’s debut
album was all instrumentals and featured Hugh Masakela as a guest
artist. The BBC enjoyed it so much it used one of its tracks,
“Parisienne Girl”, as a lead-in to the news. This
helped Incognito reach a much wider audience. The make-up of Incognito
is often in flux and Maurick often uses special guests such as
George Duke, Marcus Miller and Maxi Priest. The band also got
a boost by signing with Gilles Peterson’s Talkin’
Loud label which produced “Inside Life”, an album
which also featured vocalist Jocelyn Brown which attracted fans
both on the dance floor and at easy listening radio stations.
The 1993 album “Positivity” sold over one million
copies and was recorded at the Abbey Road studios in London. Incognito’s
latest album is the groove-filled “Bees, things & Flowers”.
After more than a quarter of a century, Bluesy says, “We
are teachers, healers. I consider myself to be more of a healer
than an entertainer.” |