Rechtzeitig zum 50jährigen Jubiläum
der Bossa Nova, besann sich Sergio Mendes alter Tugenden. Sein
neues, wieder ungemein brasilianisch tönendes Album „Encanto“
wurde in Rio und in Bahia aufgenommen. Es enthält Duette
mit Künstlern beinah aller Kontinente. Es herrschen Klangvielfalt
und Relaxtheit vor. Gerne erinnert sich Mendes daran, Will.I.Am
von Los Angeles auf unbekanntes Territorium geführt zu haben.
„ Ich brachte ihn mit Carlinhos Brown, dem Gründer
der Gruppe Timbalada zusammen. Die beiden hatten eine Menge Spaß
zusammen, teilen sie doch eine Leidenschaft für energetisches
Musizieren. Den Titel „Funky Bahia“ haben sie dann
gemeinsam komponiert.“ Mit Vergnügen brachte er etwas
Chaos ins Programm, in dem er öfter mal falsch zwischen Carlinhos
Brown und Will.I.Am übersetzte. Weitere hörenswerte
Kollaborationen entstanden zwischen Mendes und Natalie Cole, Zap
Mama, Jovanotti und Ledisi. Zum besonderen Highlight geriet der
Jobim-Song „Dreamer“, wo Mendes zum ersten Mal seit
vielen, vielen Jahren wieder mit Sängerin Lani Hall kooperierte,
mit der er einst sein famoses Projekt „Brasil 66“
realisierte. Daß ihr Ehemann Herb Alpert, einst Mentor und
Labelboß von Mendes, auch noch seine Trompete im Studio
auspackte, machte das Glück perfekt.
Sergio Mendes, der vielleicht wichtigste Popularisierer der Bossa
Nova (zu Deutsch „Neue Welle“) wurde 1941 in Niteroi,
einem kleinen Flecken in der Bucht von Rio de Janeiro geboren.
Bereits als Sechsjähriger begann er mit dem Klavierspiel.
Der früh am Jazz Interessierte gründete mit 16 Jahren
seine ersten Bands. Die Bossa Nova trat bald ihren Siegeszug durch
die Welt an. Mendes war einer ihrer größten Popularisierer.
1962 geht er nach New York um am berühmten Bossa Nova Festival
in der Carnegie Hall teilzunehmen. Unter den Kollegen: Joao Gilberto,
Antonio Carlos Jobim, Stan Getz und Charlie Byrd. Mendes entschied
sich in die USA auszuwandern. Ein Plattenvertrag mit Atlantic
Records war dabei sehr hilfreich. Der „Swinger From Rio“,
wie er bald tituliert wurde, arbeitete zunächst mit Cannonball
Adderley. 1964 ging er nach Kalifornien und entschloss sich kommerzieller
zu werden. Als er dann noch Herb Alpert und Jerry Moss von A&M
Records kennen lernt und bei ihnen unterschreibt, war das nicht
nur der Start einer lebenslangen Freundschaft, sondern der Beginn
einer Weltkarriere im Jet Set Pop. Mit seiner Adaption von Jorge
Bens „Mas Que Nada“ gelang Mendes und seinem neuen
Team eine Novität: erstmals erreichte eine portugiesisch
gesungen Nummer die Top Five der Billboard Charts. Ab da begann
ein Reigen an Hits, an Gold- und Platinalben, weltweiten Auftritten
und superben TV-Specials u.a. mit Bob Hope, Frank Sinatra, Danny
Kaye, Fred Astaire und Jerry Lewis. Mendes coverte eine Menge
Beatles-Songs, Soultunes eines Otis Redding, Countryeskes von
Jimmy Webb und Glen Campbell und schrieb auch eine Menge leichtfüssiger
Stücke selbst. Sein Song „So Many Stars“ gilt
als moderner Standard. 1967 ging Mendes mit Frank Sinatra auf
Tour, später mit Paul Anka, Jerry Lewis, Herb Alpert &
The Tijuana Brass und Henry Mancini. 1968 trug er die Bossa Nova
nach Japan und nach Asien, wo er der nach den Beatles populärste
Künstler dieser Jahre wurde.
1993 erhielt er seinen ersten Grammy. Sein vorletztes Opus „Timeless“
zeigte ihn an der Seite von zeitgenössischen Größen
des Hiphop und R&B allen voran Produzent Will.I.Am. Warum
er jetzt wieder auf den Komponisten Jobim zurückgriff? „Man
muss jeder Jugend die Liedkunst des Antonio Carlos Jobim nahe
bringen. Seine raffiniert einfache Songarchitektur, seine sehnsüchtigen
Melodien, die erstaunlich dauerhafte Frische seiner Musik. Seine
Kunst verstehen Japaner, Amerikaner, ja sogar Österreicher.
Ich bin stolz, ihn zum Freund gehabt zu haben.“.
|
| This
Brazilian musical legend recently celebrated the 50th anniversary
of Bossa Nova by recording the album “Encanto” in
Rio and Bahia which includes duets with musicians from all over
the world. The pianist started his first band at the age of 16.
He soon helped make Bossa Nova popular around the globe. In the
1960s Mendes and his band recorded “Mas Que Nada”,
the first song ever recorded in Portugese to reach the Top Five
of the Billboard Charts. Mendes won a Grammy in 1994. In addition
to the albums, over the years there were also tours, concerts
and television special with Antonio Carlos Jobim, Joao Gilberto,
Frank Sinatra, Paul Anka, Henry Mancini and others. |