Der Beginn ihrer bemerkenswerten
Karriere als Singer/Songwriterin war tragisch. Als 19jährige
wurde Melody Gardot beim Radfahren von einem Auto gerammt und
ist seither behindert. Musik hat sie schon als Sechzehnjährige
gemacht. Sie spielte in Piano-Bars gegen ein Taschengeld und fiel
dadurch auf, keine Musikwünsche von seitens des Publikums
zu akzeptieren. Ihr Repertoire umfasste Stücke von The Mamas
& The Papas über Jazzstandards à la Ellington
bis hin zu Songs von Radiohead. An eine professionelle Karriere
dachte sie damals nicht. Die Musik kam so richtig erst nach dem
Unfall in ihr Leben. Ihr Unfall bescherte ihr eine Vielzahl komplizierter
Verletzungen an Wirbelsäulen, Schädel und Nerven. In
ihrer langwierigen Rehabilitation rieten ihr Ärzte Musik
zu machen, um ihre Gehirntätigkeit nach dem Schädeltrauma
zu verbessern. Am Krankenbett komponierte die 1985 Geborene ihre
ersten Songs, die sie auch gleich aufnahm und als EP „Some
Lessons - The Bedroom Sessions“ veröffentlichte. Ein
lokaler DJ in Philadelphia, der schon die Karrieren von Amos Lee
und Norah Jones positiv beeinflusste, spielte die EP im Radio.
Nun hat Melody Gardot mit „Worrisome Heart“ ein großartiges,
überaus intensives, gleichzeitig stilles Debütalbum
vorgelegt. Sämtliche elf zart pulsierende Songs irgendwo
zwischen Blues und Jazz entstammen ihrer Feder und sie produzierte
ihr kammermusikalisches Kleinod gemeinsam mit dem Grammy bekränzten
Produzenten Glenn Barratt. Trotz zahlreicher Behinderungen (sie
geht am Stock und muß wegen ihrer Lichtempfindlichkeit stets
Sonnenbrillen tragen) hat Melody Gardot hart an ihrem Liveact
gearbeitet. Live trachtete sie danach jene Magie zu kreieren,
die schon eine Billie Holiday und eine Bessie Smith evozierten.
Sie liebt die ein wenig dreckigen Sounds, vermeidet sterile Perfektion,
zielt auf möglichst große Beseeltheit ab.
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