Mit The Pursuit of Silence hat Stella
Jones ein einzigartiges Debut-Album geschaffen. In den 15 Songs
- ausnahmslos Eigenkompositionen – verbindet sie amerikanisch-groovige
R’n’B- und Nu-Soul-Elemente mit europäischem
Songwriting auf verblüffend innovative Art und Weise. Jones’
musikalische Wurzeln, die sich von Stevie Wonder über Me’shell
Ndegeocello und India Arie bis zu Rachelle Ferrell erstrecken,
sind dabei unverkennbar. Auf der anderen Seite stehen die Songtexte,
die ohne jeden Zweifel der Feder einer Europäerin entstammen.
Oft engagiert gesellschaftskritisch, zeigen sie Stella Jones als
genaue Beobachterin des nicht ganz Alltäglichen.
„Bei meinen eigenen Projekten gebe ich nur ungern die Zügel
aus der Hand“, gibt Stella Jones zu, die bei ihrem ersten
Soloprojekt auch gleich die Rolle der Produzentin übernommen
hat. Ein Neuling im Musikbusiness ist sie deshalb jedoch keineswegs:
Bereits im jungen Alter von acht Jahren stand sie zusammen mit
Ihrer Mutter auf den Bühnen verschiedener Jazz-Clubs. „Der
Jazz wird mich nie loslassen – das liegt in der Familie“,
weiss sie als Tochter des unvergessenen Bebop-Trompeters Carmell
Jones wohl am besten.
Stella Jones’ musikalisches Oeuvre beschränkt sich
aber nicht auf Jazz: Auch als Musical-Darstellerin hat Sie sich
in so bekannten Produktionen wie Rent, Little Shop of Horrors
oder Ain’t Misbehavin’ behaupten können. Seit
1992 steht Sie ausserdem immer wieder mit internationalen Künstlern
anderer musikalischer Stilrichtungen auf der Bühne, wie zum
Beispiel mit Chaka Khan, Omara Portuondo, Taylor Dayne, Gloria
Gaynor oder Nina Hagen.
Stella Jones strahlt Selbstbewusstsein und eine scheinbar unbändige
Energie aus. Ganz im Sinne ihrer Musik übrigens, die meist
gar nicht so ruhig, sondern wie elektrisch aufgeladen und verspielt
erscheint.
Der Song Inanna Ishtar beispielsweise thematisiert den Mythos
der sumerischen Himmels- und Liebesgöttin Inanna („Ishtar“
bei den Assyrern). Die unsterbliche Göttin fällt in
einen langen Winterschlaf. Ihre Abwesenheit führt zum kulturellen
Abstieg, und die Liebe gerät in Vergessenheit. Stella Jones
lässt Inanna selbst sprechen, wenn sie nach ihrem Erwachen
von der Heilung der Welt durch vereinte Herzen kündet. Jones
driftet dabei aber nicht in esoterische Klangteppiche ab - in
dem sechsminütigen Song entfacht sie ein wahres Groove-Feuerwerk.
Dazu trägt die Weltklasse-Rhythmusgruppe, bestehend aus Thomas
Lang (dr) und Willy Langer (bs), ihren Teil bei.
Der Song Rescue Me schlägt ein ähnlich hohes Tempo an
– ein heisser Kandidat für einen Remix, der zum Disco-Hit
werden könnte.
Dass Stella Jones auch ganz anders kann und auch die ruhigeren,
feineren Töne trifft, beweist sie unter Anderem in der Ballade
Love und in der Abschiedshymne Evelyn, die einer verstorbenen
Freundin gewidmet ist. Die Schwere von Evelyn wird dabei von beschwingten
Bossa-Nova-Strukturen aufgefangen, so als wolle Stella Jones Ihre
Freundin, die bei einem Sturz ihr Leben liess, noch selbst auffangen.
Mit fallenden Kadenzen bringt sie dem Zuhörer ihr Andenken
an Ihre Freundin fast gespenstisch nahe.
„Ruhe finde ich nur im Komponieren und Musizieren, daher
auch der Titel meines Albums, The Pursuit of Silence, klärt
Stella Jones auf. „Bis ich wirklich ruhig werde, wird es
aber wohl noch eine Weile dauern. Bis heute haben sich in meinem
Archiv etwa 250 Songs und vier fertige Musicals angesammelt, die
auf Ihre Veröffentlichung warten.“
Bleibt zu hoffen, dass The Pursuit of Silence ein voller Erfolg
wird, damit der Musikwelt diese Schätze nicht vorenthalten
bleiben. Daran kann aber nicht gezweifelt werden, denn ein derart
stimmiges und kreatives Album dürfte auch auf internationaler
Ebene mit Leichtigkeit bestehen können. Vielleicht kommt
der nächste Nu-Soul-Star ja aus Europa?!
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